Gewalt gegen Bahnpersonal treibt Krankenstände in MV in die Höhe
Die Verkehrsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen mit extrem hohen Krankenständen, die deutlich über dem Durchschnitt anderer Branchen liegen. Eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion an die Landesregierung hat ergeben, dass die zunehmende Verrohung im Umgang mit Bahnmitarbeitern ein wesentlicher Faktor für diese besorgniserregende Entwicklung ist.
Alarmierende Zahlen bei DB Regio und ODEG
Das Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit hat Daten von Eisenbahn- und anderen Verkehrsbetrieben erhoben. Obwohl einige Unternehmen wie die Mecklenburgischen Bäderbahn Molli und die Stadtwerke Neubrandenburg nicht antworteten, zeichnet sich ein klares Bild. DB Regio meldet seit Beginn der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegene Krankenstände, die auch nach der Pandemie nicht zurückgegangen sind.
Im Gegenteil: Die Einführung des 9-Euro-Tickets und später des Deutschlandtickets ab 2022 hat zu weiteren Anstiegen geführt. Im Mittel der Jahre 2022 bis 2025 lag der Krankenstand bei Triebwagenführern im Regionalverkehr bei 6,8 Prozent, vor der Pandemie waren es 6,3 Prozent. Besonders betroffen sind Kundenbetreuer im Nahverkehr, deren Krankenstand nach der Pandemie durchschnittlich bei 10,5 Prozent lag, gegenüber 9,3 Prozent zuvor.
Die Bahn führt den erhöhten Krankenstand bei Kundenbetreuern explizit auf das veränderte Verhältnis in der Bevölkerung zum Thema Respekt zurück. Die Schwelle zur Konflikt- und Gewaltbereitschaft sei gesunken, die Zahl verbaler und körperlicher Übergriffe auf Bahnmitarbeiter habe sich kontinuierlich erhöht.
Verrohung der Fahrgäste belastet Personal
Auch die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) beobachtet eine allgemeine Verrohung der Fahrgäste. Der dortige Krankenstand liegt ebenfalls über dem Corona-Niveau, was teilweise auch auf den starken Fahrgastzuwachs seit Einführung des Deutschlandtickets zurückgeführt wird. Bei der ODEG verzeichneten Werkstattmitarbeiter mit 12 Prozent den höchsten Krankenstand, gefolgt von Zugbegleitern und anderen Servicekräften mit 10,8 Prozent.
In Bus- und Straßenbahnbetrieben zeigen sich zwar ebenfalls erhöhte Krankenstände, doch hier stehen andere Ursachen im Vordergrund. Diese werden primär auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, Atemwegserkrankungen und psychische Belastungen am Arbeitsplatz zurückgeführt. Bei letzteren sind nicht Gewalterfahrungen das Hauptproblem, sondern die Sorge vor möglichen Arbeitsunfällen.
CDU warnt vor strukturellem Risiko für Mobilität
Die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Sabine Enseleit, kommentiert die Ergebnisse der Kleinen Anfrage mit deutlichen Worten: „Zugausfälle, Verspätungen, überfüllte Züge, verpasste Anschlüsse – Pendler sind damit oft jeden Tag konfrontiert. Von der Mobilitätsoffensive ist im Alltag wenig zu spüren.“
Enseleit betont, dass gerade Kundenbetreuer einer zunehmenden Konflikt- und Gewaltbereitschaft der Fahrgäste ausgesetzt seien. In der Konsequenz entstehe ein Teufelskreis aus Personalmangel, steigender Arbeitsbelastung und weiter zunehmendem Krankenstand. Angebotserweiterungen wie das Deutschlandticket verschärften diese Situation noch, weil es an zusätzlichen Zügen und Personal fehle.
„Der Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern steht damit unter enormem personellem Druck. Steigende Krankenstände, personelle Engpässe und aggressive Fahrgäste sind keine Probleme einzelner Unternehmen, sondern ein strukturelles Risiko für die Mobilität im Land“, so die CDU-Abgeordnete.
Ihr Eindruck ist, dass die Landesregierung sich darauf verlässt, dass die Verkehrsunternehmen und ihre Beschäftigten die wachsenden Probleme irgendwie auffangen. „Wenn die sogenannte Mobilitätsoffensive der Landesregierung aber gelingen soll, muss sie jetzt gezielt in Personal, Sicherheit und belastbare Strukturen investieren.“ Die Landesregierung sollte außerdem prüfen, mit welchen Maßnahmen Strukturen gebündelt, Kosten reduziert und der Betrieb insgesamt resilienter aufgestellt werden kann.



