Höchstpreise für Diesel und Benzin: Die Chance für mutige Klimapolitik endlich nutzen
Höchstpreise für Sprit: Chance für mutige Klimapolitik

Höchstpreise für Diesel und Benzin: Endlich ist der Sprit so teuer, wie er sein sollte

Politik • Lesedauer: 3 min

Die aktuellen Rekordpreise für Diesel und Benzin markieren einen historischen Moment. Was Politiker und Institutionen seit Jahrzehnten fordern, ist nun Realität geworden: Der Spritpreis hat ein Niveau erreicht, das als Lenkungsinstrument für den Klimaschutz wirken kann. Doch statt diese Chance zu nutzen, konzentrieren sich die politischen Debatten fast ausschließlich auf Entlastungsmaßnahmen für Autofahrer.

Ein altes Konzept mit neuer Dringlichkeit

Das Konzept des teuren Sprits als Motor für den Klimaschutz wurde bereits in den 1990er Jahren populär. Die Grünen forderten in ihrem Wahlprogramm von 1998 einen Benzinpreis von bis zu fünf Mark pro Liter, um Bürger zum Umdenken zu bewegen. Seither ist die Idee, den Spritpreis als klimapolitisches Steuerungsinstrument zu nutzen, zur gängigen Forderung von Umweltverbänden bis zum Umweltbundesamt geworden. Auch die EU verfolgt dieses Ziel seit Langem.

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Jetzt, wo Dieselpreise von 2,50 Euro erreicht werden – was in etwa den geforderten fünf Mark entspricht –, könnte man meinen, das Ziel sei erreicht. Doch statt zu jubeln, dominieren Forderungen nach Preisreduzierungen die politische Agenda.

Die verpasste Chance der Verkehrswende

Fast 14 Millionen Menschen pendeln täglich mit dem Auto zur Arbeit. Erschreckend dabei ist, dass 87 Prozent von ihnen allein im Fahrzeug sitzen. In Nordrhein-Westfalen sind es sogar 92 Prozent. Diese Zahlen zeigen: Das Autofahren ist trotz gestiegener Spritpreise immer noch zu günstig, und die Alternativen sind offenbar nicht attraktiv genug.

Eine mutige Politik könnte jetzt ein wegweisendes Experiment wagen und die hohen Spritpreise als Anstoß für eine echte Verkehrswende nutzen. Statt mit der Gießkanne Pendlerpauschalen zu verteilen, die jeglichen Klimafortschritt ertränken, sollten gezielte Maßnahmen ergriffen werden.

Konkrete Maßnahmen für eine klimafreundliche Mobilität

Eine visionäre Verkehrspolitik würde mehrere Hebel gleichzeitig in Bewegung setzen:

  • Massive Förderung von Fahrgemeinschaften durch Werbekampagnen und finanzielle Anreize
  • Schaffung von Mitfahrgelegenheiten an wichtigen Verkehrsknotenpunkten
  • Einführung beschleunigter Fahrspuren für voll besetzte Autos
  • Ausbau von Schnellradwegen nach niederländischem Vorbild – dort fahren 25 Prozent der Pendler mit dem Fahrrad, in Deutschland nur 10 Prozent
  • Starke Subventionierung von Tickets für Bus und Bahn
  • Endlich eine Förderung der E-Mobilität, die Elektroautos für Normalverdiener erschwinglich macht

Natürlich muss die Politik dort mit gezielter Hilfe einspringen, wo akute Not herrscht – bei Spediteuren oder Pendlern ohne alternative Verkehrsmöglichkeiten. Doch auch diese Unterstützung sollte an klimaschonende Zukunftsversprechen gekoppelt werden.

Visionen statt kurzfristiger Entlastungen

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte einst, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen. Doch weitaus problematischer ist es, wenn eine Gesellschaft keine Visionen mehr für ihre Zukunft entwickelt. Die aktuellen Spritpreise bieten die größte Chance seit Langem, eine klimafreundliche Verkehrszukunft zu gestalten.

Statt sich in kurzfristigen Entlastungsdebatten zu verlieren, sollte die Politik mutig vorangehen und die Weichen für eine nachhaltige Mobilität stellen. Nur so kann aus der aktuellen Preiskrise eine echte Chance für den Klimaschutz werden.

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