Hessen fordert Zugangssperren an Bahnhöfen für mehr Sicherheit
Wie können Sicherheit und Sauberkeit in Deutschlands Zügen und an den Bahnhöfen der Republik nachhaltig verbessert werden? Hessens Vize-Ministerpräsident Kaweh Mansoori (37, SPD) hat nun einen konkreten Vorschlag vorgelegt, der sich an europäischen Nachbarländern orientiert. Der Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum fordert die Einführung von Zugangssperren an Bahnsteigen.
Europäisches Vorbild für deutsche Bahnhöfe
In europäischen Metropolen wie London, Madrid oder Paris ist es seit Jahrzehnten Standard: Auf den Bahnsteig und in den Zug kommt nur, wer eine gültige Fahrkarte besitzt. Mansoori möchte dieses System auch in Deutschland etablieren. Bei der Verkehrsministerkonferenz in Lindau betonte er: „Alles, was hilft, muss auf den Tisch. Wenn wir Sicherheit im Bahnverkehr stärken wollen, dürfen wir uns nicht nur auf technische Detailfragen konzentrieren, sondern müssen auch über die Zugangssituation an den Bahnhöfen sprechen.“
Der Vorstoß aus Hessen ist auch eine direkte Reaktion auf das tragische Verbrechen gegen den Schaffner Serkan C. Der 36-jährige Vater von zwei Kindern wurde vor wenigen Wochen in einer Regionalbahn im Kreis Kaiserslautern von einem Schwarzfahrer tödlich verprügelt.
Konkrete Umsetzung mit Drehkreuzen und Schiebetüren
Wie könnte die Umsetzung konkret aussehen? Die Zugänge zu den Gleisen würden durch bauliche Barrieren wie Drehkreuze oder Schiebetüren gesichert werden. Nur mit einer gültigen Fahrkarte, die per Barcode oder QR-Code gescannt wird, öffnet sich die Tür – ähnlich wie am ersten Checkpoint vieler Flughäfen.
Mansoori erklärt gegenüber BILD: „Wir müssen uns ehrlich machen. 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber all die Eskalationen in den Zügen der letzten Wochen begannen immer mit einem Fahrgast ohne gültigen Fahrschein. Reden wir über Ursachen. Es ist viel zu leicht, den Zug ohne Fahrschein zu besteigen.“
Frankfurt als Pilotstandort denkbar
Der hessische Verkehrsminister sieht besonders am Knotenpunkt Frankfurt/Main großes Potenzial für solche Lösungen. „In vielen Ländern ist es längst Standard, dass nur Menschen mit gültigem Fahrschein auf den Bahnsteig kommen“, so Mansoori. „Gerade in Frankfurt ist offensichtlich, dass solche Lösungen die tatsächliche Sicherheit und das Sicherheitsgefühl in Regionalbahnen, S-Bahnen und U-Bahnen deutlich verbessern könnten.“
Hessen hat in der Verkehrsministerkonferenz vorgeschlagen, dass Bund und Länder gemeinsam prüfen sollen, ob an Bahnhöfen bauliche Zugangsbarrieren eingeführt werden können.
Umfassendes Sicherheitskonzept notwendig
Der Minister betont jedoch, dass technische Maßnahmen allein nicht ausreichen: „Wir sollten nicht nur technische Maßnahmen in Erwägung ziehen. Heute ist es oft sehr leicht, ohne Fahrschein einen Zug zu betreten. Und genau da müssen wir ansetzen. Wenn der Zugang zu den Gleisen besser geschützt ist, stärken wir zugleich Sicherheit und Fairness im System.“
Mansoori fordert daher ein umfassendes Sicherheitskonzept, das neben den Zugangssperren auch mehr Präsenz von Sicherheitspersonal, intelligente Videoüberwachung und gute Schulungen für Bahnmitarbeiter umfasst. Ohne zusätzliches Sicherheitspersonal wird es nach Ansicht des Ministers nicht gehen.
Der Vorstoß aus Hessen könnte eine grundlegende Veränderung des Bahnreisens in Deutschland bedeuten und die Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen im öffentlichen Nahverkehr neu entfachen.



