Autobahn-Hirsch Rehné verursacht monatlich hunderte Notrufe bei der Polizei
Die Autobahn 7 bei Soltau in Niedersachsen, genau auf halber Strecke zwischen Hamburg und Hannover gelegen, präsentiert sich normalerweise als unkomplizierte Verkehrsader: ländliche Umgebung, keine Tempobegrenzung, keine Baustellen und kaum Stau. Doch seit über zwei Jahren sorgt ein ungewöhnlicher Bewohner für regelmäßige Aufregung unter den Autofahrern. Ein friedlich grasender Hirsch, von der Polizei liebevoll Rehné getauft, löst jeden Monat mehrere hundert Notrufe aus, wenn besorgte Verkehrsteilnehmer ihn am Straßenrand entdecken.
Der ungewöhnliche Autobahnbewohner und seine Gewohnheiten
Das Tier hat sich eine Wiese direkt an der Ausfahrt Soltau-Süd in Richtung Hannover als sein Revier auserkoren. Bei sonnigem Wetter liegt Rehné häufig auf dem Rasenstreifen unmittelbar neben der vielbefahrenen Autobahn. Obwohl kein Zaun zwischen ihm und dem vorbeirauschenden Verkehr steht, lässt sich der Hirsch von den Autos nicht stören. Dennoch fürchten viele Autofahrer, dass das Wildtier unvermittelt auf die Fahrbahn laufen könnte, und wählen deshalb den Notruf.
Oberkommissar Tarrek Gibbah (37), Sprecher der Polizeiinspektion Heidekreis in Niedersachsen, erklärt die Situation: „Laut unserer Leitstelle registrieren wir jeden Monat mehrere hundert Anrufe, die sich auf den Hirsch beziehen. Unter den Kollegen hat sich über den Polizeifunk der Name Rehné für das Tier eingebürgert. Er lebt seit etwa zweieinhalb Jahren in diesem Bereich der Autobahn.“
Polizeiliche Maßnahmen und Appell an die Autofahrer
Jede Meldung wird von der Polizei ernst genommen. Immer wieder werden Streifen entsandt, um zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um Rehné handelt. Bislang wurde die Gefahr, dass dem Tier etwas zustoßen könnte, als relativ gering eingeschätzt. Nach polizeilichen Erkenntnissen hat sich Rehné noch nie auf die Autobahn begeben. Dennoch plant die Polizei nun vorsorglich die Aufstellung von Warnschildern, um Autofahrer auf die mögliche Präsenz des Wildtieres hinzuweisen.
Der Polizeisprecher richtet einen dringenden Appell an alle Verkehrsteilnehmer: „Wir bitten die Autofahrer, weiterhin anzurufen, wenn sie den Hirsch am Straßenrand sehen. Aber bitte nicht in Panik verfallen und vor allem nicht anhalten, um Fotos zu machen. Das gefährdet nicht nur den Verkehrsfluss, sondern könnte auch das Tier unnötig beunruhigen.“
Warum lebt Rehné ausgerechnet an der Autobahn?
Landwirt und Jäger Kai Hellwinkel (43), der den Hirsch seit Jahren beobachtet, hat eine plausible Erklärung für dessen ungewöhnlichen Lebensraum: „Rehné wurde vermutlich in diesem Gebiet geboren und hat sich aus dem etwa vier Hektar großen Waldstück nicht entfernt, weil er dort vor natürlichen Feinden wie Wölfen sicher ist und nicht gejagt werden kann. An den Verkehr hat er sich inzwischen vollständig gewöhnt. Nur wenn ein Auto tatsächlich anhält, verschwindet er vorsichtshalber im Unterholz.“
Offenbar handelt es sich bei Rehné um ein besonders anpassungsfähiges und cleveres Tier, das gelernt hat, mit der ungewöhnlichen Nachbarschaft zur vielbefahrenen Autobahn umzugehen. Seine Anwesenheit sorgt jedoch weiterhin für regelmäßige Aufregung bei den vorbeifahrenden Autofahrern und für zusätzliche Arbeit bei der Polizeiinspektion Heidekreis.



