Norddeutsche Luftfahrtindustrie fordert schnellere Vergabeverfahren und bessere Finanzierung
Luftfahrtbranche fordert schnellere Vergaben und Finanzierung

Norddeutsche Luftfahrtbranche unter Druck: Schnellere Vergaben gefordert

Die norddeutsche Luftfahrtindustrie steht vor erheblichen Herausforderungen, die schnelle politische Maßnahmen erfordern. Auf dem 9. Norddeutschen Luftfahrtforum in Norderstedt bei Hamburg diskutierten rund 180 Fachleute aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Politik und Verwaltung über dringende Reformen.

Forderungen nach beschleunigten Verfahren

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens (CDU) betonte die Notwendigkeit schlanker und beschleunigter Vergabeverfahren für die Luft- und Raumfahrtbranche. „Angesichts der militärischen Bedrohung durch Russland stehen nicht nur unsere maritime Verteidigungsindustrie, sondern auch die mehreren hundert Betriebe der Luft- und Raumfahrt vor neuen Anforderungen“, erklärte Carstens gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Die Staatssekretärin verwies auf die veränderte europäische Sicherheitslage, die direkte Auswirkungen auf die Perspektiven der Luftfahrtunternehmen habe. „Unser Ziel muss sein, die vom Bund bereitgestellten zusätzlichen Milliarden für Verteidigung sowohl zur See als auch in der Luft so schnell wie möglich in moderne Rüstungsgüter umzusetzen“, forderte Carstens.

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Wirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrtbranche

Die norddeutsche Luftfahrtindustrie verfügt über beachtliche wirtschaftliche Dimensionen:

  • In Schleswig-Holstein beschäftigen knapp 100 Betriebe etwa 3.000 Menschen
  • Hamburg gilt mit 49.000 Beschäftigten als weltweit drittgrößter Luftfahrt-Standort
  • Allein Airbus und Lufthansa Technik beschäftigen 33.000 Menschen, darunter 2.000 Fachkräfte aus Schleswig-Holstein

„Unsere Betriebe tragen mit ihren Gütern und Dienstleistungen einerseits zur sicherheitspolitischen Resilienz Deutschlands bei, andererseits zur industriellen Stärke und damit zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Carstens die doppelte Bedeutung der Branche.

Schlüsselrolle der norddeutschen Küstenländer

Den fünf norddeutschen Küstenländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern komme aufgrund ihrer geografischen Lage eine besondere Bedeutung zu. „Allein schon aufgrund ihrer Lage als Brückenkopf zu den baltischen und skandinavischen Staaten kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu“, erklärte Carstens.

Alle fünf Länder verfügten über eine hohe Zahl großer wie kleiner innovativer Unternehmen der Verteidigungsindustrie. Die Luftfahrt sei in diesen Regionen traditionell deutlich mehr als nur ein Wirtschaftszweig – „sie ist ein gewaltiger Innovationstreiber und damit ein ganz wesentlicher Teil unserer wirtschaftlichen Basis in Norddeutschland“.

Konkrete Forderungen und Empfehlungen

Carstens nannte drei zentrale Forderungen zur Unterstützung der Luftfahrtindustrie:

  1. Bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen
  2. Verlässliche Exportgenehmigungen
  3. Mehr Gleichklang bei den europäischen Rüstungsexportbestimmungen

Zur Planungsbeschleunigung zeigte die Staatssekretärin Verständnis für Unternehmen, die den künftigen Wegfall von Einzellosen im Rahmen des Gesetzes zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr beklagen. „Aber in Anbetracht der derzeitigen politischen und militärischen Konfliktsituationen muss es uns gemeinsam in erster Linie darum gehen, die Bundeswehr schnellstmöglich verteidigungsfähig zu machen“, betonte sie.

Für kleine und mittlere Betriebe empfahl Carstens, sich als Bietergemeinschaft oder in Kooperation mit großen Unternehmen an Ausschreibungen zu beteiligen, um die neuen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.

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