Schüler klagen über marode Ersatzbusse: Bahn droht Ecovista mit Vertragskündigung
Marode Ersatzbusse: Bahn droht Ecovista mit Kündigung (15.03.2026)

Schüler klagen über erschreckende Zustände in maroden Ersatzbussen

Seit August des vergangenen Jahres sind Zugreisende zwischen Berlin und Hamburg auf Bus-Ersatzverkehr angewiesen. Das Unternehmen Ecovista aus Augsburg sollte während der Sanierungsarbeiten an der wichtigen Bahnstrecke für Verbindungen in die beiden Metropolen sowie nach Schwerin und Osterburg sorgen. Doch die Kritik an den eingesetzten Bussen nimmt stetig zu und erreicht nun einen neuen Höhepunkt.

Kaputte Knöpfe und defekte Notausgänge

Der 17-jährige Schüler Moritz Löwe aus der Prignitz fährt täglich mit seiner Schwester von Perleberg nach Wittenberge zur Schule. Seit etwa einer Woche ist auf der Rückfahrt am Mittag regelmäßig ein Bus aus Ungarn im Einsatz, der in einem beunruhigenden Zustand ist. „Man sieht, dass der ein wenig marode ist“, berichtet der Jugendliche. In der Decke klaffe ein langer Riss, Knöpfe seien abgebrochen und Kabel hingen bedenklich heraus. Besorgniserregend sind vor allem die beiden hinteren Türen, die komplett defekt sind. „Das sind ja auch Notausgänge“, macht der Schüler deutlich. Selbst die vordere Scheibe klappere leicht während der Fahrt.

Sein Vater Ronny Löwe äußert tiefe Besorgnis über die Sicherheit seiner Kinder. „Man macht sich schon Sorgen, in welchem technischen Zustand hier die Busse unterwegs sind“, beklagt er. „Als Eltern müssen wir uns darauf verlassen können, dass die Fahrzeuge vom TÜV abgenommen sind.“ Die Warnhinweise in den Fahrzeugen sind ausschließlich auf Ungarisch und teilweise auf Englisch verfasst, was die Situation zusätzlich verkompliziert.

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Hintergrund: Flottentausch unter Druck

Der Grund für die prekäre Situation liegt in einem Konflikt mit dem Kapitalgeber von Ecovista. Das Unternehmen musste in den vergangenen Wochen kurzfristig seine gesamte Busflotte austauschen und ging dafür in ganz Europa auf die Suche nach Ersatzfahrzeugen. Gefunden wurden diese unter anderem in Osteuropa, doch der Zustand vieler Busse ist mehr als bedenklich. Verärgerte Pendler berichten von verschimmelten Sitzen, abgefahrenen Reifen sowie klappernden, alten und maroden Bussen, die nun im Schienenersatzverkehr eingesetzt werden.

Auch in der Prignitz haben Pendler bereits negative Erfahrungen mit den Ecovista-Bussen gemacht. Die Vorwürfe verdichten sich: Mittlerweile halte das Unternehmen vertraglich vereinbarte Qualitätsstandards nicht mehr ein, so die einhellige Kritik.

Nicht alle Erfahrungen sind negativ

Doch es gibt auch positive Stimmen. Birgit Karstädt aus Wittenberge pendelt mehrmals wöchentlich zu ihrem Arbeitsort nach Berlin und ist mit den Ersatzbussen grundsätzlich zufrieden. „Ich finde, die Reisebusse sind sehr bequem“, sagt sie. „Man kann morgens im Bus schlafen. Und als es noch so kalt war, wurden die Busse wenigstens warm.“ Auch am Wochenende war Karstädt ohne Beanstandungen unterwegs. Sie betreut das Pendlernetzwerk in Wittenberge und sorgt sich eher darum, dass die Bahn mit den Bauarbeiten nicht wie geplant fertig wird.

Bahn droht mit Vertragskündigung

Am Mittwoch gab das Bahn-Infrastrukturunternehmen DB InfraGO bekannt, dass sich die Arbeiten an der Strecke Berlin-Hamburg aufgrund des wochenlangen Frostwetters bis Juni verzögern werden. Der Abschnitt zwischen Hamburg und Hagenow Land in Mecklenburg-Vorpommern soll am 15. Mai wiedereröffnet werden, die restliche Strecke über Ludwigslust, Wittenberge und Nauen Richtung Berlin erst am 14. Juni.

So lange müssen die Pendler weiterhin mit Ersatzbussen vorliebnehmen. Ob diese weiter von Ecovista gestellt werden, ließ die Bahn jedoch offen. Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand für Infrastrukturplanung und -projekte der DB InfraGO, drohte aufgrund der nicht eingehaltenen Qualitätsstandards mit einer Kündigung des Vertrags. „Ecovista sei jetzt zweimal abgemahnt worden“, hieß es. Man setze „alle juristischen Mittel ein, um wieder den ursprünglichen Vertragszustand zu erreichen“, unterstrich Bolte. Ersatzweise stünden bereits andere Busunternehmen bereit.

Viele Pendler aus der Prignitz und der gesamten Region hoffen auf eine schnelle Lösung. Die anhaltenden Probleme mit den maroden Bussen belasten den Alltag von Schülern, Berufspendlern und allen, die auf die wichtige Verbindung zwischen Berlin und Hamburg angewiesen sind.

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