Verkehrstote 2025 gestiegen: Deutschland entfernt sich von der Vision Zero
Die Zahl der Todesopfer bei Verkehrsunfällen ist im vergangenen Jahr erneut angestiegen. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes starben 2025 insgesamt 2.814 Menschen auf Deutschlands Straßen. Dies entspricht einem Anstieg von etwa zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024, als 2.770 Verkehrstote zu beklagen waren.
Verletztenzahlen mit gemischter Entwicklung
Während die Gesamtzahl der Verletzten mit 366.000 nahezu unverändert blieb, zeigen die Details eine differenzierte Entwicklung. Die Zahl der Leichtverletzten stieg leicht um ein Prozent an, während die Schwerverletzten um vier Prozent auf 48.400 zurückgingen. „Dies ist der niedrigste Wert seit 1991, dem ersten Jahr, in dem die Verletzten getrennt in schwer und leicht verletzt ausgewiesen wurden“, betonten die Statistiker aus Wiesbaden.
Vision Zero in weiter Ferne
Experten sehen Deutschland beim Thema Verkehrssicherheit aktuell Rückschritte machen. Fani Zaneta vom TÜV-Verband bestätigt diese Einschätzung. Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), stellt klar: „Vom Ziel der Vision Zero, also null Verkehrstote, hat sich Deutschland 2025 weiter entfernt.“
Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung relativiert zwar: „Seit Corona gebe es einen Knick bei den Verkehrstoten und wir alle erwarten, dass wir irgendwann wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen.“ Dennoch räumt er ein: „Aber klar ist auch: Wir können mit den Zahlen absolut nicht zufrieden sein.“ 2019 hatte es einen historischen Tiefstand mit rund 3.000 Verkehrstoten gegeben.
Unfallstatistik im Detail
Die Polizei nahm 2025 insgesamt gut 2,5 Millionen Unfälle auf, was in etwa dem Niveau von 2024 entspricht (minus 0,2 Prozent). Dabei blieben 2,2 Millionen Unfälle bei Sachschäden (minus 0,3 Prozent). Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden stieg jedoch um ein Prozent auf gut 293.000.
Die detaillierten Angaben für Januar bis November 2025 zeigen besorgniserregende Entwicklungen bei verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen:
- Autofahrer und Mitfahrer: 1.082 Todesopfer (plus 4%)
- Fahrradfahrer: 441 Todesopfer (plus 4%)
- Fußgänger: 355 Tote (plus 1%)
- Krafträder mit Versicherungskennzeichen: 50 Tote (plus 28%)
- E-Scooter: 30 Tote (plus 25%)
- Güterkraftfahrzeuge: sieben Prozent mehr Todesopfer
Einziger Lichtblick: Bei Leichtkrafträdern, Motorrollern und Motorrädern ging die Zahl der Todesopfer um acht Prozent auf 464 zurück.
Regionale Unterschiede bei Verkehrstoten
Gemessen an der Einwohnerzahl verzeichneten Mecklenburg-Vorpommern (60 Tote pro Million Einwohner) und Brandenburg (50 Tote pro Million Einwohner) die höchsten Werte. Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 34 Toten pro Million Einwohner lagen die Stadtstaaten Berlin (10) und Hamburg (11). Für Bremen lagen keine vollständigen Daten vor.
Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit
Die Bundesregierung hatte sich bereits vor Jahren das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent zu senken und langfristig die Vision Zero zu erreichen. Doch wie können Straßen tatsächlich sicherer werden?
Kirstin Zeidler vom GDV betont: „Autofahrer würden meist auf Landstraßen sterben. Hier helfen Schutzplanken an Bäumen, zusätzliche Überholspuren und an kritischen Stellen geringere Geschwindigkeiten, schwere Unfälle zu vermeiden.“ In Städten seien vor allem Kreuzungen und Einmündungen Unfall-Hotspots. „Statt zugeparkter Kreuzungen brauchen wir hier freie Sicht aufeinander. Ampeln mit getrennten Grünphasen würden Rad- und E-Scooterfahrende genauso wie Gehende schützen.“
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat zehn konkrete Forderungen an Bund und Länder formuliert, darunter:
- Geschwindigkeitsbegrenzungen
- Alkoholverbot am Steuer
- Nationale Strategie für kooperative intelligente Verkehrssysteme
Siegfried Brockmann sieht vor allem in der Temporeduzierung den entscheidenden Hebel: „Die Politik muss mutig sein und auch die Bürgerinnen und Bürger müssen einsehen, dass nur eine Temporeduzierung wirklich hilfreich sein kann.“ Dies bedeute Tempo 30 innerorts und auf schmalen Landstraßen Tempo 80. Auch auf Autobahnen müsse man sich fragen, „ob Deutschland das Raserland bleiben darf, wo man unbegrenzt schnell fahren kann“.
Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Trotz aller Bemühungen und technischer Fortschritte bleibt die Verkehrssicherheit in Deutschland eine drängende Herausforderung. Die Vision Zero rückt mit jedem zusätzlichen Todesopfer in weitere Ferne, während Experten konkrete Maßnahmen fordern, um die Straßen tatsächlich sicherer zu machen.



