Münchens ÖPNV am Limit: 530.000 Pendler und die Suche nach Lösungen
In keine andere deutsche Stadt pendeln so viele Menschen zum Arbeiten ein wie nach München: Rund 530.000 Personen wohnen außerhalb der Stadtgrenzen und haben hier ihren Arbeitsplatz. Diese beeindruckende Zahl stammt vom Landesamt für Statistik und unterstreicht die immense Belastung für das Verkehrssystem der bayerischen Landeshauptstadt.
Verkehrsmittelwahl der Pendler im Detail
Die Statistik zeigt eine klare Verteilung der genutzten Verkehrsmittel:
- 44 Prozent der Pendler nutzen öffentliche Verkehrsmittel
- 30 Prozent kommen mit dem Auto
- 17 Prozent wählen Fahrrad oder E-Bike
Daniel Gromotka vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München weist jedoch darauf hin, dass diese Zahlen nur den Arbeitsort in einer anderen Kommune erfassen – nicht die tatsächliche tägliche Bewegung. Krankheitstage, Homeoffice und Urlaub sind in dieser Statistik nicht berücksichtigt, was die reale Belastung des Verkehrssystems noch deutlicher macht.
ÖPNV-System am Anschlag
Aus Expertensicht ist der öffentliche Personennahverkehr in München bereits an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Die Zweite Stammstrecke wird als entscheidender Lösungsansatz gesehen, deren Fertigstellung jedoch frühestens für 2036 geplant ist. Bis dahin müssen Pendler mit den bestehenden Engpässen leben.
Weitere wichtige Ausbauprojekte, die Entlastung bringen sollen:
- Die Verlängerung der U5 nach Pasing
- Die Verlängerung der U6 Richtung Martinsried
- Der sogenannte "Brain Train", der 2027 den Hochschul-Campus in Garching mit dem Wissenschaftsstandort Martinsried verbinden soll
Weitere Verbesserungsvorschläge
Neben den großen Infrastrukturprojekten sieht Gromotka weiteren Handlungsbedarf:
Busverkehr optimieren: „Eigene Busspuren wären wichtig, damit die Busse nicht mit dem Rest des Verkehrs im Stau stehen“, betont der Experte. Auch der Betriebsablauf bei Störungen oder Unfällen könnte aus seiner Sicht deutlich verbessert werden.
Regionalverkehr stärken: Der geplante neue Regionalzughalt an der Poccistraße, dessen Fertigstellung in den 2030er Jahren mit Kosten von etwa 96 Millionen Euro veranschlagt wird, soll vor allem Reisende aus Rosenheim, dem Chiemgau und Mühldorf entlasten.
Flughafenanbindung verbessern: „Momentan dauert der Weg dorthin viel zu lange“, kritisiert Gromotka. Es gibt Überlegungen für einen ICE-Halt am Flughafen, allerdings ist dieser Plan noch nicht ausgereift.
Die Herausforderungen für Münchens Verkehrssystem bleiben enorm, während die Pendlerzahlen weiter steigen. Die geplanten Infrastrukturprojekte bieten Hoffnung auf Entlastung, doch bis zu ihrer Realisierung müssen Pendler und Verkehrsbetriebe kreative Lösungen finden, um den täglichen Ansturm zu bewältigen.



