Münchens ÖPNV-Bilanz: Was Grün-Rot erreicht hat und was Parteien für die Zukunft fordern
Münchens ÖPNV: Bilanz von Grün-Rot und Parteien-Forderungen

Münchens Verkehrswende: Bilanz der grün-roten Rathauspolitik

Die Koalition aus Grünen und SPD hat zu Beginn ihrer Legislaturperiode ambitionierte Ziele für den öffentlichen Personennahverkehr in München formuliert. Im Fokus standen der Bau neuer Tramlinien und die Erweiterung des U-Bahn-Netzes. Doch wie steht es heute um diese Versprechen? Und welche Pläne verfolgen die Parteien im Vorfeld der Kommunalwahl 2026?

Das Mobilitätsreferat: Eine neue Ära für Münchens Verkehr

Zur Beschleunigung der Verkehrswende gründeten Grüne und SPD das Mobilitätsreferat, das seit 2021 unter der Leitung des parteilosen, aber grün-nahen Georg Dunkel steht. Dieses Referat sollte als zentrale Instanz für die Umsetzung der verkehrspolitischen Vorhaben dienen.

Tram-Projekte: Zwischen Erfolgen und Stillstand

Die ursprünglichen Pläne sahen den Bau von fünf neuen Tramlinien sowie die Prüfung und Priorisierung von acht weiteren Strecken vor. Von diesen ambitionierten Zielen wurden jedoch nur zwei Linien tatsächlich begonnen.

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Die Tram-Westtangente markiert einen konkreten Fortschritt: Am 28. Februar 2026 wird erstmals seit zehn Jahren eine neu gebaute Tramlinie in Betrieb gehen. Allerdings handelt es sich zunächst nur um einen Abschnitt zwischen Agnes-Bernauer-Straße und Ammerseestraße. Die vollständige Fertigstellung der 8,3 Kilometer langen Strecke zwischen Nymphenburg und Obersendling ist für 2028 geplant.

Die "Tram Münchner Norden" zum Neubaugebiet Neufreimann auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne befindet sich seit Oktober 2025 im Bau. Diese Linie soll etwa 15.000 Bewohnern eine bessere Anbindung an die U-Bahn-Stationen Kieferngarten (U6) und Am Hart (U2) bieten. Die MVG rechnet mit einer Bauzeit von 4,5 Jahren, sodass die Inbetriebnahme Ende 2029 erfolgen könnte.

Gescheiterte Projekte gibt es jedoch ebenfalls: Die Tram Nordtangente durch den Englischen Garten wurde vom Freistaat als Parkeigentümer gestoppt. Auch ein Teilstück zum Bahnhof Johanneskirchen liegt seit Jahren auf Eis, da die Regierung von Oberbayern das Planfeststellungsverfahren beanstandete.

Mehrere Machbarkeitsstudien für weitere Tram-Projekte wurden aus Kostengründen gestrichen, darunter Strecken nach Freiham, Ramersdorf, entlang der Südtangente, auf der Wasserburger Landstraße Richtung Haar sowie von Berg am Laim nach Daglfing. Vor 2027 wird die Stadt an diesen Planungen nicht weiterarbeiten.

U-Bahn-Ausbau: Langsame Fortschritte bei hohen Kosten

Erstmals seit 2010, als der U-Bahnhof in Moosach eingeweiht wurde, arbeitet München wieder am Ausbau des U-Bahn-Netzes. Derzeit laufen die Bauarbeiten für die U5-Verlängerung vom Laimer Platz nach Pasing. Der erste Abschnitt bis zum neuen Bahnhof Baumschule Laim soll 2031 in Betrieb gehen, der Rest bis 2034 folgen.

Für eine weitere Verlängerung nach Freiham bereitet das Baureferat das Planfeststellungsverfahren vor. Bereits beschlossen wurde ein Vorhaltebauwerk in Freiham, das fast 100 Millionen Euro kosten wird. Ein ähnliches Bauwerk entsteht am Hauptbahnhof für die U9, das mit über 560 Millionen Euro noch deutlich teurer ausfällt.

Die Planungen für die U4-Verlängerung in den Nordosten wurden hingegen aufgrund der angespannten Haushaltslage eingestellt. Die ursprünglich auf vier Milliarden Euro geschätzten Kosten für die U9 dürften inzwischen deutlich höher liegen, was die Realisierungschancen weiter schmälert.

Parteienpositionen vor der Kommunalwahl 2026

SPD: Parteichefin Anne Hübner will den Fokus auf die Fertigstellung begonnener Projekte legen und weniger neue Planungen anstoßen. Nur eine neue Tramlinie nach Daglfing kann sie sich vorstellen, allerdings nur mit Olympia-Fördergeldern. Für U-Bahn-Erweiterungen nach Freiham oder den Bau der U9 sieht sie ohne feste Bundesförderung keine Finanzierungsmöglichkeit.

Grüne: OB-Kandidat Dominik Krause betont die Erfolge der Verkehrswende und will den eingeschlagenen Kurs fortsetzen. Er fordert den weiteren Ausbau der U5 nach Freiham, die Vorantreibung der U9 sowie neue Tramlinien zum Lerchenauer Feld, Richtung Dachau und nach Daglfing.

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CSU: OB-Kandidat Clemens Baumgärtner zeigt sich skeptisch gegenüber neuen Tramlinien und bevorzugt stattdessen U-Bahn-Erweiterungen. Er würde die Tram Johanneskirchen streichen und setzt auf Olympia-Fördergelder sowie autonomes Fahren als Kostensenker.

FDP: Fritz Roth fordert eine Erhöhung des MVG-Zuschusses von 150 auf mindestens 200 Millionen Euro jährlich für mehr Pünktlichkeit und bessere Takte. Konkret will er eine Ring-Buslinie auf dem Mittleren Ring, einen flächendeckenden Fünf-Minuten-Takt bei Trams sowie den Bau der Tram Johanneskirchen bis 2030.

Die Linke: Katharina Horn priorisiert günstigere ÖPNV-Preise, fordert einen Sozialtarif fürs Deutschlandticket und langfristig kostenfreie öffentliche Verkehrsmittel. Beim Netzausbau setzt sie auf Trams statt U-Bahnen und will die U9-Pläne sofort beenden.

ÖDP: Tobias Ruff setzt auf schnell realisierbare Buslinien statt teurer Großprojekte wie der U9. Während er die Tram Johanneskirchen befürwortet, sieht er die Tram nach Neufreimann kritisch wegen notwendiger Baumfällungen.

Fazit: Ambitionierte Ziele, realistische Umsetzung

Die Bilanz der grün-roten Verkehrspolitik zeigt gemischte Ergebnisse: Während einige Projekte wie die Tram-Westtangente konkrete Fortschritte machen, liegen andere Vorhaben aufgrund finanzieller, rechtlicher oder politischer Hürden auf Eis. Die angespannte Haushaltslage der Stadt München stellt für alle Parteien eine zentrale Herausforderung dar, die die Realisierungsmöglichkeiten künftiger Verkehrsprojekte maßgeblich beeinflussen wird.

Die unterschiedlichen Positionen der Parteien vor der Kommunalwahl 2026 verdeutlichen, dass die Verkehrswende in München weiterhin ein kontrovers diskutiertes Thema bleibt, bei dem die Balance zwischen ambitionierten Zielen und finanzieller Machbarkeit gefunden werden muss.