Münchens Radentscheid: Luxusradwege oder notwendiger Umbau?
Bis 2025 plante das Münchner Rathaus, den Radentscheid umzusetzen und dafür 1,6 Milliarden Euro auszugeben. Davon ist die Stadt jedoch noch weit entfernt. In dieser Legislaturperiode kämpfte München gegen das Corona-Virus und nahm Zehntausende Geflüchtete aus der Ukraine auf. Doch der größte Streit im Rathaus drehte sich oft um ein Thema: die Verkehrswende. Konkret ging es um Parkplätze und Fahrspuren, die für Radwege weichen sollten, sowie um die hohen Kosten dieses Umbaus.
Politische Konflikte und teure Projekte
Keine Haushaltsdebatte verging, ohne dass die CSU über sogenannte "Luxusradwege" wetterte, insbesondere über den 4,5 Millionen Euro teuren Radweg in der St.-Magnus-Straße in Harlaching. Doch wie fällt die Bilanz tatsächlich aus? Ist München auf dem Weg zur Radhauptstadt? Vor der Kommunalwahl 2026 lohnt sich ein genauer Rückblick.
Im Jahr 2019 unterschrieben rund 160.000 Münchner ein Bürgerbegehren, das sichere und breite Radwege sowie einen geschlossenen Radring um die Altstadt forderte. Der Stadtrat nahm den Radentscheid an – auch mit Unterstützung der CSU. Doch als es um die Umsetzung und die geschätzten Kosten von 1,6 Milliarden Euro ging, distanzierte sich die CSU schnell.
Umsetzung und Kosten im Detail
Grün-Rot nahm sich im Koalitionsvertrag vor, den Radentscheid und den Altstadtradring bis 2025 umzusetzen. Beides wurde nicht erfüllt. Bisher wurden von den 1,6 Milliarden nur etwa 113,1 Millionen Euro ausgegeben. Das Baureferat gibt an, dass bereits begonnene und fertiggestellte Projekte des Radentscheids 37 Millionen Euro kosten werden. Dazu gehören:
- St.-Magnus-Straße
- Rheinstraße
- Querung an der Stadelheimer Straße
- Erster Abschnitt der Lindwurmstraße
- Boschetsrieder Straße
- Giesinger Berg
Nicht in diesen 37 Millionen enthalten sind der neue 4,50 Meter breite Radweg in der Zeppelinstraße mit Kosten von 3,8 Millionen Euro und der Umbau der Karl-Theodor-Straße in Schwabing, der bis 2027 dauert und etwa 9,5 Millionen Euro kostet. Dort hatten rund 200 Eltern für mehr Sicherheit auf dem Schulweg demonstriert.
Altstadtradring und weitere Pläne
Die Kosten für den Altstadtradring werden separat berechnet. Bisher sind fünf Abschnitte fertig, mit Kosten von etwa 62,8 Millionen Euro. Diese Summe beinhaltet auch Arbeiten wie Tunnel-Abdichtungen, Fahrbahnen, Gehwege und Ampeln. Der Tunnel musste ohnehin saniert werden, was die Gesamtkosten beeinflusst.
Gleichzeitig liegen Dutzende Pläne für neue Radwege in den Schubladen. Ursprünglich wollte der Stadtrat in über 40 Straßen breitere und sichere Radwege schaffen. 20 Pläne sind bereits so weit fortgeschritten, dass das Mobilitätsreferat sie bei Veranstaltungen präsentierte. Die Umsetzung hängt von den Mehrheiten im neuen Stadtrat und den finanziellen Mitteln ab.
Aktuelle Projekte und Verkehrsversuche
Dieses Jahr plant das Mobilitätsreferat, vier Projekte zu beginnen: die Boschetsrieder Straße, die Domagkstraße, die Schwanthalerstraße und den Giesinger Berg. Für die Martin-Luther-Straße läuft ein Verkehrsversuch mit einem temporären Radweg, der mit gelber Farbe markiert ist. Die SPD wollte testen, ob Staus entstehen, wenn Fahrspuren wegfallen. Das Mobilitätsreferat kommt zum Ergebnis, dass der Radweg den Verkehr kaum beeinträchtigt und zusätzlich Bäume, Parkplätze und mehr Sicherheit für Schulen ermöglichen könnte.
Um den Radweg an der Lindwurmstraße gab es ebenfalls viel Streit. Ursprünglich waren 40 Millionen Euro veranschlagt, doch der Stadtrat entschied sich für eine günstigere Lösung mit Markierungen, Pollern und einem sogenannten "Hochbord"-Radweg über dem Steinpflaster. Der Weiterbau ist für 2027 geplant, falls der neue Stadtrat dies nicht stoppt.
Rückschläge und Erfolge
Im Koalitionsvertrag hatten Grüne und SPD auch mindestens drei Meter breite Radschnellwege geplant, um die Stadt mit dem Umland zu verbinden. Von sechs Routen liegen bis auf zwei alle auf Eis. Die Idee einer Radbrücke am Giesinger Berg wurde aus Kostengründen verworfen. Auf der Braunauer Eisenbahnbrücke fahren weiterhin nur Züge, und auch beim Klenzesteg gibt es keine Fortschritte.
Erfolge verzeichnet die Stadt bei der Förderung von Lastenrädern. Rund 4800 Lastenpedelecs und 600 Lastenräder wurden bezuschusst, bevor das Programm aus Kostengründen eingestellt wurde. Seit 2020 hat München zudem mehr als 10.000 neue Radabstellanlagen geschaffen.
Insgesamt zeigt die Bilanz, dass München trotz ambitionierter Pläne noch einen langen Weg vor sich hat, um den Radentscheid vollständig umzusetzen. Die politischen Konflikte und finanziellen Herausforderungen bleiben zentrale Hürden auf dem Weg zu einer fahrradfreundlicheren Stadt.



