Zweitage-Warnstreik legt Münchner Nahverkehr weitgehend lahm
Die Gewerkschaft Verdi hat für Freitag, den 27. Februar, und Samstag, den 28. Februar 2026, zu einem bundesweiten Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr aufgerufen. In Bayern sind neben München zwölf weitere Städte betroffen, darunter Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) rechnet mit massiven Einschränkungen im gesamten Stadtgebiet.
Streikzeitraum und betroffene Verkehrsmittel
Der Arbeitskampf beginnt am Freitag um 3.30 Uhr und endet erst am Sonntag, den 1. März, um 3.30 Uhr. Laut MVG-Ankündigung sollen U-Bahn, Tram und Busse in diesem Zeitraum vollständig bestreikt werden. Die Nachtlinien werden bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nur bis 2.30 Uhr verkehren.
Besonders betroffen sind wie bei vorherigen Streikmaßnahmen:
- Das gesamte U-Bahn-Netz
- Alle Tram-Linien
- Buslinien bis zur Nummer 199
Mögliche Ausnahmen und Notbetrieb
Die MVG hält jedoch einen stark eingeschränkten Busbetrieb für möglich, da private Busunternehmen, die für die MVG fahren, nicht vom Streikaufruf betroffen sind. Die Priorität liege dabei auf einer möglichst gleichmäßigen Verteilung der einsatzbereiten Busse im Netz, um eine stadtweite Grundversorgung abzusichern.
„Je nach Auslastung und Verkehrssituation kann es jedoch zu größeren Unregelmäßigkeiten kommen“, warnt die MVG in ihrer offiziellen Mitteilung.
Bei U-Bahn und Tram hängt der Betrieb von der Personalverfügbarkeit ab. Wie bereits bei früheren Streiks stehen zunächst die U6 und die Tram 20 im Fokus. Am Samstag sind zusätzlich die Dienste der neuen Tram-Linie 14 besetzt. Sollten sich genügend Mitarbeiter zum Dienst melden, könnte unter Umständen der Betrieb auf einzelnen Linien oder Abschnitten aufgenommen werden.
Nachtverkehr und alternative Verkehrsmittel
Der Nachtverkehr bei der U-Bahn entfällt am Freitag und Samstag komplett. An der Oberfläche ist er voraussichtlich nur stark eingeschränkt mit Bussen möglich. Auch die Kundencenter und das Fundbüro der MVG können bestreikt werden.
Nicht betroffen vom Streik sind die S-Bahn, Regionalzüge und MVV-Regionalbusse, da sie von anderen Unternehmen betrieben werden. Die MVG empfiehlt Fahrgästen, auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder – wenn möglich – Homeoffice einzuplanen.
Politische Reaktionen und Tarifkonflikt
Die erneute Streikankündigung stößt auf heftige Kritik seitens der Wirtschaft. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), bezeichnet die Warnstreiks als unverhältnismäßig: „Die Gewerkschaft überspannt den Bogen bei weitem.“
Brossardt fordert angesichts der „immensen streikbedingten Kosten“ im Bereich der kritischen Infrastruktur eine verpflichtende Schlichtung, bevor es zum Arbeitskampf kommen könne. Er warnt davor, dass höhere Löhne zwangsläufig zu steigenden Fahrpreisen und einem reduzierten Verkehrsangebot führen würden.
Verdi fordert für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen eine Entgeltsteigerung um 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Bei der letzten Verhandlungsrunde am 13. Februar kam es nach Gewerkschaftsangaben zu keiner Annäherung zwischen den Tarifparteien.
Aktuelle Informationen für Fahrgäste
Die MVG rät allen Fahrgästen, sich vor Fahrtantritt über die aktuellen Entwicklungen zu informieren. Alle bekannten Informationen finden sich unter „Aktuelle Störungen“ auf mvg.de bzw. unter „Störungen“ in der App MVGO. Die Verbindungsauskunft wird laufend mit den neuesten Meldungen aktualisiert.
In den betroffenen bayerischen Städten wird mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet. Erfahrungen aus vorherigen Streiks zeigen, dass der Straßenverkehr durch deutlich stärkere Staus beeinträchtigt werden kann, da viele Pendler auf das Auto umsteigen.



