Luftraum-Gesetz soll Drohnen-Einsatz in Deutschland vorantreiben
Neues Gesetz soll Drohnen-Einsatz in Deutschland beflügeln

Luftraum-Gesetz soll Drohnen-Einsatz in Deutschland vorantreiben

Der Einsatz von Drohnen für dringende Transporte wie Medikamente oder Organspenden könnte in Deutschland bald deutlich einfacher werden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat auf der Robotikmesse Xponential einen Gesetzesentwurf angekündigt, der kommerzielle Drohnenflüge erheblich erleichtern soll. Der Entwurf basiert auf sogenannten U-Spaces, speziellen Lufträumen, in denen unbemannter und bemannter Luftverkehr gleichzeitig stattfinden können.

U-Spaces als erster Schritt zur flächendeckenden Drohnen-Nutzung

„Wenn alles so läuft, wie wir es planen und uns vorstellen, werden wir in diesem Jahr ein U-Space-Gesetz haben als erster Mitgliedstaat der EU“, erklärte Schnieder. U-Spaces – das „U“ steht für unmanned (unbemannt) – sollen wichtige Erkenntnisse liefern, wie Drohnen sicher in den Luftraum integriert werden können. Sie dienen als Grundlage für die künftige Advanced Air Mobility, eine Mobilitätsform, in der Drohnen selbstverständlich zum Alltag gehören.

Der Minister betonte dabei die besondere Bedeutung der Sicherheit: „Für die digital gesteuerten Luftfahrzeuge brauchen wir neue automatisierte Systeme zur Luftraumüberwachung sowie stabile Öko- und Kommunikationssysteme.“ Es gehe darum, dass alle Verkehrsteilnehmer sich gegenseitig erkennen und koordinieren können.

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Teststrecken in Berlin und weiteren Bundesländern geplant

Bereits in Kürze sollen auf mehreren Teststrecken praktische Erfahrungen gesammelt werden. In Berlin ist geplant, dass Drohnen zwischen dem stillgelegten Flughafen Tegel und dem Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER) verkehren können. Weitere Teststrecken sind in der Lausitz (Brandenburg), Ingolstadt (Bayern), Hamburg und Nordrhein-Westfalen in Diskussion.

„Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, planen wir ab dem Jahr 2028 geografisch eng begrenzte Advanced-Air-Mobility-Betriebe auszuweisen“, so Schnieder. In diesen Zonen könnten dann verschiedene Drohnensysteme gleichzeitig betrieben werden. Der Christdemokrat sicherte zudem zu, bürokratische Hürden für die Branche abzubauen.

Branchenverband fordert mehr Mut vom Gesetzgeber

Gerald Wissel, Chef des UAV-Dachverbands, forderte auf der Messe mehr Rückenwind von der Politik: „Wir brauchen Verhältnismäßigkeit und wir brauchen gesetzgeberischen Mut.“ Die europäische Regulierung stelle derzeit noch einen Flaschenhals für den umfangreicheren Einsatz kommerzieller Drohnen dar. Wissel gab als Ziel aus, dass in fünf Jahren täglich 100.000 Drohnen in Europa unterwegs sein sollen – aktuell sind es deutlich weniger.

Nach seiner Darstellung genießen Drohnen in der öffentlichen Debatte noch nicht den angemessenen Stellenwert: „Drohnen bleiben in Teilen der Gesellschaft eine Quelle für Misstrauen.“ Um dies zu ändern, reichten Marketing-Kampagnen allein nicht aus. Erst durch eine breitere praktische Anwendung könne mehr Vertrauen entstehen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten und aktuelle Herausforderungen

Kommerzielle Drohnen werden bereits heute vielfältig eingesetzt: zur Inspektion von Industrieanlagen, Kraftwerken und Stromleitungen, in der Forst- und Landwirtschaft zur Früherkennung von Schädlingsbefall sowie bei Einsätzen von Feuerwehr und Polizei, etwa bei der Suche nach Vermissten. Das noch nicht voll ausgeschöpfte Potenzial ist enorm, insbesondere für Logistikunternehmen beim Transport von Gütern.

Auf der Xponential, die am Dienstag begann, präsentieren rund 360 Aussteller aus 43 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen. Neben reinen Drohnenherstellern wie Quantum Systems sind auch Rüstungskonzerne wie Rheinmetall vertreten, die den militärischen Wert von Drohnen betonen.

Forderung nach mehr Personal in der Genehmigungsbehörde

Parallel zur Gesetzesinitiative wird bei der aktuellen Verkehrsministerkonferenz ein Papier an die Bundesregierung beschlossen, das eine personelle Aufstockung des Luftfahrt-Bundesamtes fordert. Diese Behörde ist für Betriebsgenehmigungen von Drohnenflügen zuständig und verzeichnet immer mehr Anträge – was zu erheblichen Verzögerungen führt.

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NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen eine Straßenverkehrs-Ordnung für den unteren Luftraum.“ Um neue Drohnen-Anwendungen vorantreiben zu können, müsse der Bund einen funktionierenden Rechtsrahmen schaffen. „Drohnen eröffnen uns wichtige neue Möglichkeiten, indem sie zum Beispiel Medikamente transportieren, Infrastruktur überwachen oder im Notfall Leben retten“, sagte Krischer und mahnte schnellere Genehmigungsverfahren an.