Norddeutsche Länder stellen Bahn-Chefin Ultimatum wegen Baustellen-Chaos
Die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Evelyn Palla, gerät nur vier Monate nach ihrem Amtsantritt ins Kreuzfeuer norddeutscher Regierungschefs. Grund sind massive Verzögerungen bei der Generalsanierung der wichtigen Schienenverbindung zwischen Hamburg und Berlin. Ein exklusiver Brandbrief, der BILD vorliegt, offenbart die wachsende Frustration der politischen Verantwortlichen.
Fünf Ministerpräsidenten kritisieren Informationspolitik
In dem Schreiben an die Bahn-Spitze werfen die Regierungschefs Manuela Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern), Peter Tschentscher (SPD, Hamburg), Daniel Günther (CDU, Schleswig-Holstein), Dietmar Woidke (SPD, Brandenburg) und Kai Wegner (CDU, Berlin) der Deutschen Bahn gravierende Versäumnisse vor. „Dass die Länder über die Bauverzögerungen nicht vorab informiert wurden, ist ein Versäumnis des Eigentümers und Auftraggebers“, heißt es in dem Dokument. Die Politiker betonen, dass solche Informationslücken das Vertrauen in die bundesdeutsche Infrastrukturpolitik nachhaltig schädigen würden.
Massive Beeinträchtigungen für Bevölkerung und Wirtschaft
Die anhaltenden Einschränkungen auf der 278 Kilometer langen Strecke, die täglich von etwa 30.000 Fahrgästen und 470 Zügen genutzt wird, führen zu erheblichen Problemen. „Die anhaltenden und nun verlängerten Einschränkungen führen zu massiven Beeinträchtigungen des Personen- und Güterverkehrs“, klagen die Ministerpräsidenten. Pendlerinnen und Pendler sowie Unternehmen in den betroffenen Regionen Norddeutschlands seien in erheblichem Maße belastet, wirtschaftliche Schäden für Kommunen und Betriebe seien die Folge.
Drei klare Forderungen an die Bahn-Spitze
Die norddeutschen Länder erheben in ihrem Ultimatum drei konkrete Forderungen:
- Die Deutsche Bahn muss alle Ressourcen bündeln, um die Baumaßnahme zügig fertigzustellen und einen realistischen, verlässlichen Zeitplan vorlegen, der mit den betroffenen Ländern abgestimmt ist.
- Der Ersatzverkehr muss bis zum endgültigen Abschluss der Arbeiten in vollem Umfang sichergestellt werden und darf qualitativ nicht hinter dem bisherigen Angebot zurückbleiben.
- Alle Mehrkosten, die durch die Verlängerung der Bauarbeiten entstehen, müssen von der Deutschen Bahn AG übernommen werden und dürfen nicht auf Länder, Kommunen oder Fahrgäste abgewälzt werden.
Ursprung der Krise: Witterungsbedingungen und Planungsfehler
Die Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin begann am 1. August 2025 und sollte ursprünglich nach neun Monaten, zum 1. Mai 2026, abgeschlossen sein. Doch bereits jetzt hat der Konzern überraschend bekannt gegeben, dass die Arbeiten aufgrund von Frost und Schnee um mindestens sechs Wochen im Verzug sind. Die Wiedereröffnung der wichtigen Verkehrsader wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, was die bereits angespannte Situation weiter verschärft.
Die norddeutschen Länder haben in den vergangenen Monaten bereits hohe finanzielle Lasten für die Generalsanierung getragen. Nun fordern sie von Evelyn Palla und der Deutschen Bahn-Führung, dass die Wiederherstellung einer funktionsfähigen Schieneninfrastruktur im Korridor Berlin-Hamburg mit höchster Priorität verfolgt wird. Die vollständige Abschneidung großer Teile Norddeutschlands inklusive aller Zulaufstrecken müsse schnellstmöglich beendet werden.



