Polizei rettet 80.000-Euro-Wasserstoff-Feuerwehrauto vor Stillstand
Polizei rettet Wasserstoff-Feuerwehrauto vor Stillstand

Wasserstoff-Fahrzeug der Feuerwehr Siegen drohte zum teuren Stehzeug zu werden

Mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge gelten als saubere Alternative zu herkömmlichen Verbrennern – doch die fehlende Infrastruktur kann zum ernsthaften Problem werden. Dies musste die Berufsfeuerwehr Siegen schmerzlich erfahren, als ihr hochmodernes Wasserstoff-SUV plötzlich keine Tankmöglichkeit mehr in der Nähe hatte.

80.000 Euro Investition mit ungewisser Zukunft

Im Jahr 2021 entschied sich die Feuerwehr Siegen für die Anschaffung eines Hyundai Nexo mit Brennstoffzellenantrieb. Das Fahrzeug kostete damals rund 80.000 Euro und wurde von Bürgermeister Steffen Mues als "Meilenstein auf dem Weg zu einer emissionsfreien kommunalen Fuhrparkflotte" gefeiert. Gemeinsam mit einem spezialisierten Unternehmen aus Siegen wurde der Wagen mit einer individuellen Sonderausstattung für den Feuerwehreinsatz versehen.

Anfangs schien die Versorgung mit Wasserstoff gesichert: Im nahegelegenen Industriegebiet Leimbachtal war im Juni 2019 die erste Wasserstofftankstelle Südwestfalens eröffnet worden. Doch zum 1. April 2025 musste diese Station wegen mangelnder Nachfrage schließen – ein schwerer Rückschlag für die nachhaltige Mobilitätsstrategie der Stadt.

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Das Dilemma der fehlenden Infrastruktur

Für die Stadt Siegen entstand ein echtes Problem: Das regelmäßige Anfahren entfernter Wasserstofftankstellen in anderen Kommunen erwies sich als unwirtschaftlich. Ein Weiterverkauf des speziell umgerüsteten Einsatzfahrzeugs gestaltete sich äußerst kompliziert. Der hochmoderne Wasserstoff-Hyundai drohte, ein teures und nutzloses Statussymbol zu werden – genau das Gegenteil dessen, was mit der Anschaffung beabsichtigt war.

Rettung durch die Polizei Osnabrück

In dieser schwierigen Situation sprang die Polizeidirektion Osnabrück ein. Ein Sprecher der Behörde erklärte: "Unser Fahrzeugmanager hatte erfahren, dass der Nexo der Feuerwehr Siegen zum Verkauf steht. Danach ging alles sehr schnell. Wir testen in Osnabrück bereits seit Jahren neue Antriebstechnologien, um unseren Polizei-Fuhrpark nachhaltiger und klimafreundlicher zu gestalten."

Inzwischen ist das ehemalige Feuerwehrfahrzeug mit einer neuen Polizeifolierung versehen und patrouilliert im Emsland – in einer Region, wo Wasserstofftankstellen noch in erreichbarer Nähe liegen. Polizeioberkommissarin Laura-Christin Brinkmann (32) präsentierte das Fahrzeug im neuen Design.

Der deutsche Wasserstoffmarkt bleibt klein

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verdeutlicht die Herausforderungen der Wasserstoffmobilität in Deutschland: Laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes waren zu Beginn des Jahres 2026 nur 1.575 Wasserstofffahrzeuge zugelassen – ein Rückgang gegenüber den 1.802 Fahrzeugen vom Anfang 2025. Derzeit sind lediglich zwei Serienfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb auf dem deutschen Markt erhältlich: der Hyundai Nexo und der Toyota Mirai.

Die Zahl der öffentlich zugänglichen Wasserstofftankstellen bewegt sich im zweistelligen Bereich. Das Betreibernetzwerk H2-Mobility kündigte daher an, sich künftig stärker auf den "Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur für leichte und schwere Nutzfahrzeuge" zu konzentrieren – ein Signal, dass Wasserstoff vor allem im gewerblichen Bereich eine wichtige Rolle spielen könnte.

Eine Lehre für die nachhaltige Mobilitätswende

Die Geschichte des Siegener Feuerwehrfahrzeugs zeigt deutlich: Die Einführung alternativer Antriebstechnologien erfordert nicht nur die Anschaffung geeigneter Fahrzeuge, sondern auch den parallelen Aufbau einer zuverlässigen Infrastruktur. Während die Polizei Osnabrück das Wasserstoff-SUV nun sinnvoll einsetzen kann, bleibt die grundsätzliche Frage nach der flächendeckenden Versorgung mit Wasserstoff in vielen Regionen Deutschlands ungelöst.

Für Kommunen und Behörden, die ihre Fuhrparks nachhaltiger gestalten wollen, bietet der Fall ein wertvolles Lehrstück: Technologische Innovationen müssen immer im Kontext ihrer praktischen Umsetzbarkeit betrachtet werden. Die Rettung des 80.000-Euro-Fahrzeugs durch die Polizei Osnabrück verhindert zwar einen finanziellen Verlust, kann aber nicht über die strukturellen Herausforderungen der Wasserstoffmobilität hinwegtäuschen.

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