Führerscheinprüfungen auf Rekordniveau, doch viele scheitern
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so viele Führerscheinprüfungen abgelegt wie nie zuvor. Gleichzeitig blieben die Durchfallquoten auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Laut dem aktuellen Datenreport des TÜV-Verbands scheiterten 44 Prozent der Fahrschülerinnen und Fahrschüler bei der Theorieprüfung und 37 Prozent bei der praktischen Prüfung für den Pkw-Führerschein der Klassen B und B17.
Konstant hohe Durchfallquoten trotz steigender Prüfungszahlen
Die Zahlen des TÜV-Verbands zeigen ein beunruhigendes Bild: Während die Gesamtzahl der Prüfungen im Jahr 2025 auf einen neuen Rekordwert von 2,04 Millionen Theorieprüfungen und etwa 1,89 Millionen Praxisprüfungen stieg, verharrten die Durchfallquoten auf einem hohen Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 blieben die Werte weitgehend konstant, doch im Zehnjahresvergleich ist eine deutliche Verschlechterung erkennbar. Im Jahr 2016 lagen die Durchfallquoten noch bei 37 Prozent in der Theorie und 32 Prozent in der Praxis.
Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, betonte: „Die Nichtbestehensquote bleibt auf einem hohen, aber weitgehend konstanten Niveau.“ Besonders problematisch seien die Wiederholungsprüfungen, bei denen die Erfolgsquoten deutlich schlechter ausfielen als beim ersten Versuch.
Unterschiede nach Altersgruppen und Prüfungsversuchen
Interessante Unterschiede zeigen sich bei der Betrachtung verschiedener Altersgruppen und Prüfungsversuche:
- Unter 18-Jährige schneiden deutlich besser ab: Nur 35 Prozent fallen durch die theoretische und 24 Prozent durch die praktische Prüfung
- Beim ersten Versuch liegen die Bestehensquoten bei 63 Prozent in der Theorie und 65 Prozent in der Praxis
- Die Gruppe der Wiederholenden hat erhebliche Schwierigkeiten und scheitert häufig sogar mehrfach
Goebelt erklärte: „Junge Menschen, die am begleiteten Fahren ab 17 teilnehmen, schneiden in den Prüfungen deutlich besser ab. Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen.“ Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung für die Betroffenen.
Geplante Reform des Führerscheinerwerbs
Die Diskussion über die hohen Durchfallquoten findet mitten in einer breiten Debatte über die Kosten des Führerscheins statt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) plant eine umfassende Reform, um den Führerscheinerwerb günstiger zu gestalten. Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen:
- Vereinfachungen bei den theoretischen und praktischen Prüfungsteilen
- Einführung digitaler Lösungen für Lernprozesse und Prüfungsvorbereitungen
- Weiterentwicklung der Prüfungsstandards in Abstimmung mit den Bundesländern
Der TÜV-Verband begrüßte grundsätzlich die Stärkung digitaler Lernmittel, forderte aber gleichzeitig verbindliche, einheitliche digitale Lernstandskontrollen als Voraussetzung für die Prüfungszulassung. Kritisch äußerte sich der Verband zu Vorschlägen, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen bei der Fahranfängervorbereitung hinauslaufen könnten, da dies die Verkehrssicherheit gefährden würde.
Auswirkungen auf Fahrschulen und zukünftige Entwicklungen
Seit der Ankündigung der geplanten Reform durch Minister Schnieder im vergangenen Oktober ist in vielen Fahrschulen ein deutlicher Rückgang der Anmeldungen zu verzeichnen. Fahrlehrerverbände berichten, dass potenzielle neue Fahrschüler abwarten, bis der Führerschein tatsächlich günstiger wird. Diese Entwicklung stellt viele Fahrschulen vor erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen.
An diesem Mittwoch will Schnieder nach intensiven Beratungen mit den Bundesländern weiterentwickelte Reformvorschläge vorlegen. Die Diskussion um die Balance zwischen Kostensenkung, Effizienzsteigerung und Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit wird damit in eine neue Phase treten. Die aktuellen Prüfungszahlen und Durchfallquoten unterstreichen die Dringlichkeit einer sorgfältig abgewogenen Lösung, die sowohl den Bedürfnissen der Fahrschüler als auch den Anforderungen der Verkehrssicherheit gerecht wird.



