Schwerer Sturz über liegen gelassenen E-Scooter in Haar
In der Gemeinde Haar bei München ist eine Rentnerin über einen achtlos abgestellten E-Scooter gestürzt und hat sich dabei schwer verletzt. Der Vorfall wirft erneut kritische Fragen zur Verkehrssicherheit und zu komplexen Haftungsfragen bei den elektrischen Mietrollern auf.
Dramatischer Unfall direkt vor dem Mietshaus
Hannelore O., fast 86 Jahre alt, verließ am vergangenen Dienstag gegen Mittag ihre Wohnung in der Salmdorferstraße in Haar, um kurze Besorgungen zu erledigen. Bereits nach wenigen Metern stolperte die Seniorin über einen am Boden liegenden E-Scooter, der von einem unbekannten Nutzer einfach liegen gelassen worden war.
„Meine Frau sieht aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen schlecht“, erklärt ihr Ehemann Friedrich O. „Daher hat sie das Hindernis vermutlich zu spät erkannt.“ Die Rentnerin verlor das Gleichgewicht, konnte sich nicht mehr rechtzeitig abfangen und stürzte mit voller Wucht auf ihr Gesicht.
Schwere Verletzungen und Krankenhausaufenthalt
Der alarmierte Rettungsdienst brachte die schwer verletzte Frau umgehend in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Die medizinische Untersuchung ergab:
- Ein gebrochenes Nasenbein
- Eine aufgeplatzte Oberlippe
- Verletzungen an den Augen und im Mundbereich
- Ein gestauchtes Handgelenk
- Zudem ging ihre Brille bei dem Sturz zu Bruch
Die gesundheitlichen Folgen für die fast 86-jährige Frau sind nach Angaben ihres Ehemannes dramatisch. Derzeit befindet sie sich noch in medizinischer Behandlung.
Komplexe Haftungsfragen bei E-Scooter-Unfällen
Der Fall wirft erneut schwierige juristische Fragen auf. Experten weisen darauf hin, dass die Haftung bei Stürzen über falsch abgestellte E-Scooter äußerst komplex ist. „Nicht automatisch kann man den Verleiher des E-Scooters haftbar machen“, betonen Rechtsexperten.
Für eine erfolgreiche Schadensersatzforderung muss im Einzelfall nachgewiesen werden:
- Ein Verschulden des Fahrers, der den Roller abgestellt hat
- Dass der E-Scooter eindeutig verkehrswidrig abgestellt wurde
- Dass der Verursacher nachträglich ausfindig gemacht werden kann
In der Vergangenheit wurden bereits Klagen von Geschädigten abgewiesen, da Gerichte einen Sturz teilweise als „allgemeines Lebensrisiko“ einstuften. Auch Schmerzensgeldansprüche scheitern oft, wenn Vermieter nachweisen können, dass sie behördliche Auflagen eingehalten haben.
Steigende Unfallzahlen in München
Der Vorfall in Haar ereignet sich vor dem Hintergrund steigender Unfallzahlen mit E-Scootern in der Region München. Laut dem aktuellen Verkehrsbericht des Polizeipräsidiums stiegen die Verkehrsunfälle mit E-Scootern im Jahr 2025 um 28,1 Prozent auf 639 Unfälle (2024: 499 Unfälle).
Die alarmierenden Zahlen im Detail:
- 583 Personen wurden verletzt (2024: 459 Verletzte)
- 46 Menschen erlitten schwere Verletzungen
- Bei 101 Verkehrsunfällen war Alkohol im Spiel (2024: 93 Alkoholunfälle)
Rechtliche Schritte eingeleitet
Die Familie der verletzten Rentnerin hat bereits Kontakt zur Verleiherfirma des E-Scooters aufgenommen. Die Daten des Mietrollers sind bekannt. Fachleute raten in solchen Fällen dringend, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten sowie Beweise zu sichern.
„Wer für den Schaden aufkommt, werden vermutlich Rechtsanwälte letztendlich klären müssen“, sagt Friedrich O. Die Haftpflichtversicherung des E-Scooters zahle später nur bei nachgewiesenem Verschulden, betonen Experten.
Der Fall aus Haar zeigt erneut die Gefahren, die von achtlos abgestellten E-Scootern ausgehen können – besonders für ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität. Während die elektrischen Roller von vielen als wichtiger Baustein der Mobilitätswende gefeiert werden, bleiben sie für andere ein ständiges Ärgernis und Sicherheitsrisiko im öffentlichen Raum.



