Schwerin startet einjährige Testphase für flexiblen Busausstieg
Für Fahrgäste des Nahverkehrs in Schwerin könnte der nächtliche Heimweg bald deutlich kürzer und sicherer werden. Der Hauptausschuss der Schweriner Stadtvertretung hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig einer einjährigen Testphase für das Projekt „Halten auf Wunsch“ zugestimmt. Während dieser Testphase sollen Busse der Nahverkehr Schwerin (NVS) GmbH nach 20 Uhr auch zwischen den offiziellen Haltestellen halten können, sofern die Verkehrs- und Sicherheitslage dies zulässt.
Initiative von UB/FDP-Fraktion mit Unterstützung der NVS
Den ursprünglichen Antrag zur Einführung eines solchen Nachtservices hatte die Fraktion von Unabhängige Bürger (UB)/FDP eingebracht. In ihrer Begründung verwies die Fraktion auf mehrere Vorteile:
- Erhöhung der Erreichbarkeit und Sicherheit von Pendlern in den Abendstunden
- Stärkung der Lebensqualität in der Landeshauptstadt
- Reduzierung von Fahrwegen durch flexible Haltestellenplanung
- Verkürzung von Wartezeiten für Fahrgäste
- Förderung der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Zeiten mit geringerem regulärem Verkehrsaufkommen
Die Stadtverwaltung zeigte sich dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen, doch der entscheidende Impuls kam schließlich vom Nahverkehrsunternehmen selbst. NVS-Geschäftsführer Thomas Schlüter äußerte sich in einer offiziellen Stellungnahme positiv zu dem Vorschlag: „Wir halten es für sinnvoll, dieses Konzept zunächst für die Dauer eines Jahres zu erproben und anschließend auf Basis belastbarer Erfahrungen zu evaluieren.“
Busfahrer behalten Entscheidungsbefugnis über zusätzliche Halte
Gleichzeitig betonte die NVS in ihrer Stellungnahme deutlich, dass die endgültige Entscheidung über einen zusätzlichen Halt stets im Ermessen der jeweiligen Busfahrerinnen und Busfahrer liegen muss. „Sie tragen die Verantwortung für die Verkehrssicherheit und müssen im Einzelfall beurteilen können, ob ein Halt an der gewünschten Stelle gefahrlos möglich ist – sowohl für den fließenden Verkehr als auch für die aussteigenden Fahrgäste“, so das Unternehmen.
Das Angebot „Halten auf Wunsch“ kann nach Angaben der NVS ausschließlich im Busverkehr umgesetzt werden, da hier die notwendige Flexibilität im Straßenraum gegeben sei. Bei Straßenbahnen wäre ein Halten außerhalb der ausgewiesenen Haltestellen aus technischen und sicherheitsrelevanten Gründen nicht möglich.
Vorbild aus Rostock und geplante Umsetzung
Die UB/FDP-Fraktion hatte in ihrem Antrag darauf verwiesen, dass ein vergleichbarer Service bereits bei der Rostocker Straßenbahn AG erfolgreich etabliert ist. Nach dem positiven Feedback der NVS passte die Fraktion ihren ursprünglichen Antrag entsprechend an. Die endgültige Entscheidung über die Einführung der Testphase soll voraussichtlich auf der nächsten Sitzung der Stadtvertretung am 23. März fallen.
Thomas Schlüter sieht in dem Konzept eine gelungene Verbindung: „Wir verbinden mit diesem Ansatz Flexibilität für die Fahrgäste mit einem hohen Maß an Sicherheit und einem verantwortungsvollen Betriebsablauf.“ Während der einjährigen Testphase will die NVS genau erfassen, wie häufig das Angebot genutzt wird, welche Auswirkungen es auf den Betriebsablauf hat und welche eventuellen Anpassungen erforderlich sein könnten.



