Sonderbehandlung für Fußballfans? Was die MVG den Münchnern nach dem Streiktag schuldet
Am Mittwoch sollte im Berufsverkehr keine einzige U-Bahn in der ganzen Stadt fahren. Doch trotz Streik ab dem Nachmittag rollten plötzlich ganz viele Züge in Richtung Allianz Arena. Dieses Vorgehen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hinterlässt einen fatalen Eindruck und wirft Fragen zur Gleichbehandlung auf.
Ein doppelter Standard im Nahverkehr
An der Münchner Freiheit ging am Mittwoch wieder gar nichts – bis die Tore für die Fußballfans auf dem Weg zur Arena geöffnet wurden. Wille kann Berge versetzen, das gilt offenbar auch für Verkehrsbetriebe. Als letzte Woche die U-Bahn einen ganzen Tag geschlossen blieb, war keine Rede davon, dass ein ausgedünnter Betrieb möglich sei. Doch als ein Bayern-Spiel auf der Kippe stand, wurden kurzfristig alle Hebel in Bewegung gesetzt.
Es ist wie so oft in dieser Stadt: Das Große, das Glänzende muss funktionieren. An den Alltag und daran, dass hier Menschen leben und arbeiten, denkt eher keiner. Natürlich sei allen gegönnt, die zum Fußball wollten, vielleicht längst Tickets gekauft hatten oder sich vor extremem Gedrängel fürchteten. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack.
Die Ungerechtigkeit des Streikmanagements
Weil tagsüber in der ganzen Stadt nichts ging und abends auf der U6 sehr viel los war, stellt sich die Frage: Warum hat bei der MVG letzte Woche niemand mit Hochdruck daran gearbeitet, für den Münchner Alltag zumindest ein Notangebot zu schaffen? Die Diskrepanz ist eklatant. Während Pendler und Berufstätige komplett im Stich gelassen wurden, erhielten Fußballfans eine Sonderbehandlung.
Vieles deutet auf eine baldige Einigung in diesem Tarifkonflikt hin. Doch was, wenn er doch eskaliert und viele Streiktage drohen? Ganz offensichtlich kann die U-Bahn teils trotz Streik fahren – das sollte die MVG dann auch für die Allgemeinheit tun, nicht nur, wenn der FC Bayern anruft.
Ein Appell für mehr Fairness
Auch ein kleiner Teilbetrieb, etwa in der Früh zwischen Harras und Münchner Freiheit, wäre ein großes Plus gegenüber dem Komplett-Stillstand. Man muss es aber eben wollen. Die MVG schuldet den Münchnern mehr Transparenz und eine gerechtere Handhabung von Streiksituationen. Der Nahverkehr sollte allen Bürgern dienen, nicht nur den großen Events.
Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, dass die Prioritäten im städtischen Verkehrswesen überdacht werden müssen. Die Lebensqualität der täglichen Pendler verdient mindestens dieselbe Aufmerksamkeit wie die Bedürfnisse von Fußballfans.



