Taskforce zuverlässige Bahn: 22 Maßnahmen für pünktlichere Züge vorgestellt
Verkehrsminister Patrick Schnieder hat einen umfassenden Katalog mit 22 Maßnahmen präsentiert, die kurzfristig die Pünktlichkeit der deutschen Bahn verbessern sollen. Der Bericht der »Taskforce zuverlässige Bahn« zielt darauf ab, die aktuellen Probleme anzugehen, bei denen nur etwa jeder zweite Fernzug sein Ziel pünktlich erreicht. Schnieder bezeichnete die Vorschläge als einen »wichtigen Meilenstein der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene«.
Kernmaßnahmen: Joker-Gleise und Fahrplanpuffer
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören sogenannte Joker-Gleise, die an Bahnhöfen im regulären Betrieb freigehalten werden sollen, um flexibler auf Störungen reagieren zu können. Zudem plant die Taskforce, die im Fahrplan ausgewiesene Abfahrtszeit systematisch um etwa eine Minute vorzuziehen, um mehr Zeit für die Zugabfertigung zu gewinnen. Allgemein sollen größere Puffer in den Fahrplänen eingebaut werden, um Verspätungen zu reduzieren.
Weitere Ideen umfassen kürzere Zugverbindungen, den Einsatz von Streckenläufern und sogenannte Zugschlachtungen. Diese Ansätze sollen die Zuverlässigkeit erhöhen, doch Fachleute und Verkehrsverbände äußern Bedenken.
Kritik von Verbänden und Politikern
Christiane Rohleder, Vorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs, warnte deutlich: »Eine Reduzierung des Zugangebots wäre der falsche Weg. Das würde die Situation für Fahrgäste verschlechtern, ohne die Pünktlichkeit zu verbessern. Im Gegenteil: Volle Züge führen an Bahnhöfen zu zusätzlichen Verzögerungen.« Auch Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutsche Verkehrsunternehmen (VDV), mahnte, dass »kapazitätsmindernde« Schritte nur als vorübergehende Ultima Ratio in Betracht kommen dürften.
Scharfe Kritik kam vom Grünen-Bahnexperten Matthias Gastel, der erklärte: »Verkehrsminister Schnieder verwaltet die Ohnmacht bei der Schiene.« Er bezeichnete den Bericht als eine Mischung aus Prüfaufträgen, nicht finanzierten Versprechen und alten Plänen, die kaum neue Impulse setzen.
Debatte über die Zukunft der Bahn
Die Diskussion um die Maßnahmen spiegelt die anhaltende Krise des Staatskonzerns wider. Während die Taskforce auf kurzfristige Verbesserungen abzielt, fürchten viele Experten, dass eine Verringerung des Zugangebots langfristig negative Folgen haben könnte. Die Balance zwischen Pünktlichkeit und einem ausreichenden Service für Fahrgäste bleibt eine zentrale Herausforderung.
Insgesamt zeigt der Bericht, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die Zuverlässigkeit der Bahn zu steigern. Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen ausreichen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, während die Debatte über die Rettung der Bahn weitergeht.



