U-Bahn-Streik in München: Züge für Fußballfans, nicht für Pendler
Am Mittwoch sollte im Berufsverkehr keine einzige U-Bahn in München fahren – so der Plan des Warnstreiks. Doch ab dem Nachmittag rollten plötzlich zahlreiche Züge in Richtung Allianz Arena, wo der FC Bayern ein Spiel austrug. Dieser Kontrast wirft ein bezeichnendes Licht auf die Prioritäten der Münchner Verkehrsbetriebe, wie AZ-Lokalchef Felix Müller kritisch anmerkt.
Ein fatales Signal für die Stadtbevölkerung
An der Münchner Freiheit ging am Mittwoch zunächst gar nichts, bis die Tore für die Fußballfans auf dem Weg zur Arena geöffnet wurden. Wille kann Berge versetzen, das gilt offenbar auch für Verkehrsbetriebe. Als letzte Woche die U-Bahn einen ganzen Tag geschlossen blieb, war keine Rede davon, dass ein ausgedünnter Betrieb möglich sei. Als nun ein Bayern-Spiel auf der Kippe stand, wurden kurzfristig alle Hebel in Bewegung gesetzt.
Es ist wie so oft in dieser Stadt: Das Große, das Glänzende muss funktionieren. An den Alltag und daran, dass hier Menschen leben, denkt eher keiner. Selbstverständlich ist es den Fußballfans zu gönnen, die vielleicht längst Tickets gekauft haben, ihre Kinder nach Abpfiff schnell ins Bett bringen müssen oder sich vor extremem Gedrängel fürchten. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack.
Die Ungleichbehandlung im Verkehrsnetz
Tagsüber ging in der ganzen Stadt nichts, abends jedoch sehr viel auf der U6. Natürlich können U-Bahn-Fahrer streiken – das ist ein normaler Vorgang. Doch warum hat bei der MVG letzte Woche niemand mit Hochdruck daran gearbeitet, dass man tagsüber für den Münchner Alltag zumindest ein Notangebot machen kann? Vieles deutet auf eine baldige Einigung in diesem Tarifkonflikt hin. Doch was, wenn er eskaliert und viele Streiktage drohen?
Ganz offensichtlich kann die U-Bahn teils trotz Streik fahren. Das sollte die MVG dann auch tun – und nicht nur, wenn der FC Bayern anruft. Denn auch ein kleiner Teilbetrieb, etwa in der Früh zwischen Harras und Münchner Freiheit, wäre ein großes Plus gegenüber dem Komplett-Stillstand. Man muss es aber eben wollen.
Diese Situation unterstreicht ein grundlegendes Problem: In München scheint der Alltag der Pendler und Bewohner oft zweitrangig zu sein, wenn es um prestigeträchtige Events geht. Die Verkehrsbetriebe sollten ihre Verantwortung gegenüber der gesamten Stadtbevölkerung ernst nehmen und nicht nur selektiv agieren.



