Kommentar von Ralf Müller: Ungute Erinnerungen werden wach. Droht mitten in Europa eine Art Straße von Hormus? In den Pfingstferien Sperrung am Brenner, in den Sommerferien auf der Fernpassstraße: Die Verkehrsblockaden in Tirol erinnern an die „Interzonenautobahn“ in der DDR, findet AZ-Korrespondent Ralf Müller.
Blockaden zu Ferienzeiten
Die Ankündigung, dass die Fernpassstraße bei Reutte in Tirol zum Sommerferienbeginn in einigen deutschen Bundesländern für zwei Stunden komplett gesperrt werden soll, sorgt für Unmut. Bereits zu Pfingsten war der Brennerpass betroffen. Diese Maßnahmen wecken ungute Erinnerungen an die Zeiten der deutschen Teilung, als die Interzonenautobahn immer wieder von der DDR blockiert wurde.
Historische Parallelen
Damals wie heute geht es um politische Machtdemonstrationen. Die Sperrungen in Tirol sind ein Mittel, um Druck auf die Nachbarländer auszuüben. Dabei leiden vor allem Urlauber und Pendler, die auf freie Fahrt angewiesen sind. Die Tiroler Landesregierung begründet die Blockaden mit dem Schutz der Umwelt und der Lebensqualität der Anwohner. Doch die Methoden erinnern an eine Zeit, die Europa längst überwunden geglaubt hat.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet in der Hauptreisezeit solche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Alternative Routen sind überlastet, und die Umleitung führt zu langen Staus und Frustration. Die Politik in Tirol sollte dringend überdenken, ob diese Form des Protests angemessen ist.
Die Europäische Union sollte hier vermittelnd eingreifen, um einen freien Verkehr zu gewährleisten. Denn wenn jeder Mitgliedstaat nach Belieben Grenzen blockiert, ist das ein Rückschritt für die europäische Integration. Es darf nicht sein, dass Urlauber aus Deutschland in Tirol wie in einer Sackgasse stecken bleiben.



