VBB äußert massive Kritik an Bahn-Infrastruktur in Berlin und Brandenburg
Die anhaltenden Verspätungen und verpassten Anschlüsse im Bahnverkehr sorgen bei Reisenden in Berlin und Brandenburg für erheblichen Frust. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zeigt sich mit der aktuellen Qualität auf der Schiene unzufrieden und macht die marode Infrastruktur der Deutschen Bahn als Hauptproblem aus.
Pünktlichkeitswerte auf Tiefstand
„Wir sind grundsätzlich mit der vorhandenen Qualität gegenwärtig nicht zufrieden“, erklärt Patrick Schardien aus der Abteilung Qualitätsmanagement des VBB. Im vergangenen Jahr lag die Pünktlichkeit im Zugverkehr in Berlin und Brandenburg bei lediglich 84,4 Prozent – ein weiterer Rückgang gegenüber dem Vorjahr mit 85,0 Prozent. Besonders alarmierend sind die Werte auf wichtigen Linien wie dem RE4 (Stendal-Falkenberg) mit nur 73,0 Prozent Pünktlichkeit oder dem RE7 (Dessau-Senftenberg) mit 73,3 Prozent.
Ein zentrales Problem sind laut VBB die Anschlussverbindungen. „Bei uns fahren zu oft Anschlüsse knapp davon – so, dass die Menschen den Anschlusszug noch abfahren sehen. Das darf einfach nicht sein“, kritisiert Schardien. Der VBB steht dazu im intensiven Austausch mit den drei Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio, Odeg und NEB.
Mischverkehr als Hauptursache für Verspätungen
Als Hauptursache für die unpünktlichen Züge hat der VBB den Mischverkehr ausgemacht. Dabei nutzen Fernverkehrszüge dieselben Strecken wie der Regionalverkehr. „Da rollt ein verspäteter Fernverkehrszug Richtung Berlin, für den müssen dann Regionalzüge an den Rand fahren und sich überholen lassen – und dann haben die auch Verspätung“, erläutert VBB-Experte Schardien das Problem.
Besonders kritisch ist die Situation derzeit auf der Anhalter Bahn, auf der Züge aus München Richtung Berlin fahren. Hier bringen die Fernverkehrszüge laut VBB viel Verspätung aus der langen Fahrt mit und haben Vorrang vor dem langsameren Regionalverkehr. Beim RE4, der auf der Anhalter Bahn verkehrt, lag die Pünktlichkeit im Januar bei nur 56,4 Prozent.
Lehrter Bahn als weiteres Sorgenkind
Der RE4 ist sogar doppelt betroffen, denn auf der anderen Seite Berlins nutzt er bei der Fahrt nach Berlin die Lehrter Bahn – ein weiteres Sorgenkind des VBB. Auch hier bringen Fernverkehrszüge oft Verspätungen aus dem Ruhrgebiet mit in die Metropolregion um Berlin, was zu Überholungen und weiteren Verzögerungen führt.
Taskforce sucht nach Lösungen
Die sogenannte Taskforce „Zuverlässige Bahn“, besetzt mit verschiedenen Experten aus der Branche, arbeitet derzeit an Lösungen für die Probleme. Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen vorgestellt werden. Intensiv diskutiert wurde dabei die Frage nach weniger Verkehr vor allem an überlasteten Knotenpunkten im Netz, zu denen neben Berlin auch Köln, Hamburg, München und Frankfurt gehören.
„Es ist fraglich, ob weniger Verkehr tatsächlich die Lösung ist. Da muss man eine genaue Ursachenanalyse machen. Eigentlich ist das nicht unser bevorzugter Weg“, sagt Schardien. „Aus unserer Sicht ist der unpünktliche Zulauf aufgrund ständiger Infrastruktureinschränkungen wie Langsamfahrstellen und anderes das größte Problem.“
2026 als Jahr der großen Baustellen
Einige Hoffnungen setzt der VBB in die Ergebnisse der Generalsanierungen. Derzeit läuft auf der Strecke Hamburg-Berlin eine umfangreiche Baumaßnahme mit monatelanger Vollsperrung – erst Mitte Juni soll der Verkehr hier wieder rollen. Im Herbst beginnen dann die Bauarbeiten auf der Lehrter Bahn, die von Berlin Richtung Hannover führt. Diese Generalsanierung soll 14 Monate dauern.
Eine weitere große Baustelle ist für dieses Jahr auf der Stadtbahn geplant. Zwischen Ostbahnhof und Zoologischem Garten wird zwischen dem 14. Juni und dem 12. Dezember nur die S-Bahn auf der Stadtbahn fahren, während die Ferngleise gesperrt sind. Der Fern- und Regionalverkehr muss umgeleitet werden, teils werden nur Teilstrecken gefahren.
Kritik an DB InfraGO
Bei den vielen Baustellen im Netz hofft der VBB, dass die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO die Fahrpläne besser ausregelt. „Dabei achtet man darauf, dass sich Züge zum Beispiel bei einer eingleisigen Sperrung nicht genau auf Höhe der Baustelle treffen und dann warten müssen“, erklärt Schardien.
Dies geschehe bisher jedoch zu wenig. „Ein Beispiel dafür ist die Strecke zwischen Cottbus und Dresden. Da gibt es wegen einer Baustelle einen eingleisigen Abschnitt, der Fahrplan ist nicht ausgeregelt, die Züge begegnen sich auf Höhe der Baustelle – und seit Tagen haben wir da die schlechtesten Pünktlichkeitswerte im gesamten Netz.“
Der VBB betont, dass man versuche, Dinge, die in der eigenen Hand liegen, zu verbessern. Doch alles, was die große Planung betreffe und wo man auf die Infrastruktur angewiesen sei, bereite große Probleme. Die marode Bahn-Infrastruktur macht sich laut VBB jeden Tag bemerkbar – für die Fahrgäste vor allem in Form von Verspätungen und verpassten Anschlüssen.



