Bundesweite Warnstreiks im ÖPNV: Verdi ruft zu Arbeitsniederlegungen auf
Die Gewerkschaft Verdi hat für Freitag und in zahlreichen Regionen auch für Samstag zu bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufgerufen. Wie die Gewerkschaft mitteilte, sollen die Beschäftigten in nahezu allen Bundesländern die Arbeit niederlegen, was zu massiven Behinderungen im Nahverkehr führen wird. In vielen kommunalen Verkehrsunternehmen werden an beiden Tagen voraussichtlich so gut wie keine Busse und Bahnen verkehren.
Streikbeginn und Dauer der Arbeitsniederlegungen
Der Streik soll am Freitag in den frühen Morgenstunden beginnen und je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder sogar Sonntag andauern. Noch nicht abschließend geklärt ist die Streikbeteiligung in Baden-Württemberg, bei der Hamburger Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein – hier sollen die Entscheidungen im Laufe des Tages und der Woche fallen. Von den Streiks ausgenommen ist Niedersachsen, wo bis Ende März eine Friedenspflicht gilt.
Verdi-Vertreterin kritisiert Arbeitgeber scharf
„Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern“, erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle in einer Mitteilung. „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen.“
Erinnerungen an massive Auswirkungen im Februar
Dies ist bereits der zweite bundesweite ÖPNV-Warnstreik in der laufenden Tarifrunde. Beim ersten Streik am 2. Februar kam der öffentliche Nahverkehr in weiten Teilen Deutschlands nahezu komplett zum Erliegen. Zusätzlich zu den bundesweiten Aktionen bestreikt die Gewerkschaft regelmäßig regionale Nahverkehrsunternehmen in einzelnen Bundesländern und Städten, zuletzt etwa in Hessen und Bayern.
Erwartete Folgen für Pendler und Verkehr
Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Eltern und Schülerinnen und Schüler dürfte der neuerliche Warnstreik vor allem am Freitag zu erheblichen Problemen führen, da die pünktliche Ankunft am Arbeitsplatz oder in der Schule gewährleistet sein muss. Die Erfahrungen vom Februar zeigen, dass viele Menschen in solchen Situationen auf das Auto umsteigen.
- Nach Einschätzung des ADAC war während der letzten Warnstreiks bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen.
- Dem Fahrdienstvermittler Freenow zufolge stieg in den Morgenstunden die Nachfrage nach Taxis deutlich an.
- Immerhin werden die aktuellen Warnstreiks nicht von eisigem Wetter begleitet – deutschlandweit werden zweistellige Temperaturen erwartet.
Tarifverhandlungen stocken weiterhin
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Zu den zentralen Forderungen gehören:
- Kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten
- Längere Ruhezeiten für die Beschäftigten
- Höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende
„Die Verhandlungen kommen insgesamt kaum voran, obwohl es in einzelnen Bereichen schon vier Runden gab“, kritisierte die stellvertretende Verdi-Chefin Behle. „Das ist mehr als enttäuschend.“ Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt den fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, monierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft besonders wichtig findet.



