Führerschein aus DDR-Zeiten? Verkehrswacht Neubrandenburg bietet Sicherheitstraining für Senioren
Verkehrswacht Neubrandenburg: Sicherheitstraining für Senioren

Verkehrswacht Neubrandenburg: Sicherheitstraining für Senioren mit DDR-Führerschein

Um mit modernen Fahrzeugen im Straßenverkehr sicher unterwegs zu bleiben, bietet die Ortsverkehrswacht Neubrandenburg spezielle Kurse für Seniorengruppen an. Die Initiative zielt darauf ab, älteren Menschen mehr Selbstvertrauen im Verkehrsgeschehen zu vermitteln und sie auf veränderte Regelwerke vorzubereiten.

Mobil im Alter: Training für Auto und E-Bike

Die Ortsverkehrswacht Neubrandenburg trainiert Senioren sowohl im Auto als auch auf dem E-Bike. Neue Angebote sollen die Sicherheit und das Selbstvertrauen im Straßenverkehr nachhaltig stärken. Viele ältere Verkehrsteilnehmer erleben ähnliche Situationen: Nach jahrzehntelanger Fahrpraxis wächst plötzlich die Unsicherheit, kurze Strecken werden vermieden, und mit jeder ausgefallenen Fahrt schwindet das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Ulf Heinzelmann, 66 Jahre alt und ehemaliger Fahrlehrer sowie Dekra-Prüfer, kennt dieses Phänomen nur zu gut. „Aufhören zu fahren – das ist der erste Schritt zur Unsicherheit“, betont er. Mit seinem Engagement bei der Ortsverkehrswacht möchte er genau diese Entwicklung verhindern.

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Spezielles Programm „Sicher und mobil“

Heinzelmann hat kürzlich eine Weiterbildung zum Moderator des Programms „Sicher und mobil“ abgeschlossen, einem speziellen Fahrsicherheitsangebot für Senioren. „Wir wollen die älteren Leute fit halten“, erklärt er. „Wir möchten, dass sie im Training bleiben.“

Das Training in Seminarform richtet sich gezielt an Seniorengruppen wie:

  • Gartenvereine
  • Kegelklubs
  • PC- oder Fahrradklubs

Eine Einheit dauert etwa 90 Minuten, in denen die Teilnehmer das korrekte Verhalten im Straßenverkehr intensiv trainieren können.

Führerschein aus DDR-Zeiten: Regeländerungen beachten

„Die 65-Jährigen haben doch meist noch zu DDR-Zeiten ihren Führerschein gemacht“, stellt Ulf Heinzelmann fest, „aber manche Regeln haben sich seitdem verändert, das wissen dann viele nicht.“ Ein konkretes Beispiel: Wer an einer Rechts-vor-Links-Kreuzung mit Autos aus drei Richtungen links abbiegt, ist heute im Unterschied zu früher unter Umständen auf eine Absprache untereinander angewiesen. In der DDR galt der von rechts kommende Verkehr automatisch als vorfahrtsberechtigt.

Hartmut Gnad, 67 Jahre alt und Vorsitzender der Ortsverkehrswacht, ergänzt: „Die Fahrtüchtigkeit zu trainieren, ist gerade hier in der Region mit ihren weiten Wegen wichtig für einen aktiven Ruhestand.“ Gnad, der früher Soldaten bei der Nationalen Volksarmee und später bei der Bundeswehr das Fahren beigebracht hat, bietet selbst Beobachtungsfahrten für Einzelpersonen an. Dabei können Senioren ihr Fahrverhalten genau überprüfen und anschließend gezielt verbessern.

Erweitertes Angebot: E-Bike-Programm und Verkehrsgarten

Neben den Fahrtrainings gibt es ein spezielles E-Bike-Programm, das auf die Unterschiede zu normalen Fahrrädern eingeht und technische Details vermittelt. Die Ortsverkehrswacht Neubrandenburg wurde im Januar 1992 gegründet und schult Kinder, Schüler, Jugendliche und Erwachsene zur sicheren Verkehrsteilnahme als Fußgänger, Fahrrad- oder Autofahrer.

Für dieses Jahr sind zahlreiche Projekte geplant:

  1. April/November: Rausch-Parcours mit der Jugendgerichtshilfe bei der Dekra
  2. April bis Juli: Fahrradprüfungen und Übungen mit Schülern im Verkehrsgarten
  3. 11. Juni/7. Juli: Verkehrstag an den Berufsschulen Datzeberg und Sponholzer Straße
  4. 21. August bis 4. September: Schul-Aktion „Brems dich!“
  5. September/Oktober: Bus-Schule am Verkehrshof Neubrandenburg
  6. Oktober: Aktion Lichttest

Ehrenamtliche Unterstützung und Nachwuchssorgen

Wer andere ehrenamtlich zur Verkehrssicherheit schulen möchte, kann sich bei der Verkehrswacht als Moderator ausbilden lassen. Über Bundes- und Landesprogramme gibt es dafür Aufwandsentschädigungen. Die Ausbildung – zumeist in Wochenendkursen – wird von der Landesverkehrswacht finanziert.

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Neben den neuen Programmen beschäftigt die Ortsverkehrswacht aktuell auch der Nachwuchsmangel. Die 14 Mitglieder arbeiten größtenteils ehrenamtlich, früher waren es einmal rund 90. Ein großer Teil ihrer Arbeit gilt der Verkehrserziehung für Kinder, doch junge Ehrenamtler sind rar. „Wir wären gerne mehr“, sagt Hartmut Gnad. „Wir haben Sorge, dass von den jungen Leuten nichts mehr nachkommt.“

Ausbau des Verkehrsgartens im Kulturpark

Trotz der personellen Herausforderungen plant die Ortsverkehrswacht in diesem Jahr den Ausbau des Verkehrsgartens im Kulturpark. Im zweiten Halbjahr soll dort ein neuer Materialcontainer entstehen, in dem Fahrräder für Schulprojekte gelagert werden können. Ein Regenunterstand für Betreuer und Trainer sowie eine neue Infotafel sind ebenfalls vorgesehen. Außerdem soll die Verkehrsampel künftig elektronisch gesteuert werden. Die Baugenehmigung liegt bereits vor, für die Umsetzung werden aber noch Sponsoren und Helfer gesucht.

Wer sich für die Trainingsangebote interessiert oder sich in der Ortsverkehrswacht engagieren möchte, kann sich informieren und Kontakt aufnehmen.