Viertägiger Warnstreik legt Nahverkehr in Sachsen-Anhalt lahm
Ein viertägiger Warnstreik der Gewerkschaft Verdi bringt den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Sachsen-Anhalt von Donnerstag bis Sonntag weitgehend zum Erliegen. Pendler, Schüler und Reisende müssen sich auf massive Einschränkungen einstellen und frühzeitig Alternativen organisieren.
Streikdetails und betroffene Regionen
Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte kommunaler Verkehrsbetriebe zum Arbeitskampf aufgerufen. Der Streik beginnt am Donnerstag, dem 19. März 2026, und endet am Sonntag, dem 22. März 2026. In Magdeburg und Halle wird der Ausstand sogar bis in die frühen Morgenstunden des Montags verlängert.
Betroffen sind folgende Verkehrsbetriebe:
- Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB)
- Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG)
- Dessauer Verkehrsgesellschaft (DVG)
- Personenverkehrsgesellschaft Burgenlandkreis (PVG)
Fahrplanausfälle und Ersatzangebote
Nach aktuellen Informationen müssen sich Fahrgäste auf umfangreiche Ausfälle vorbereiten:
- In Magdeburg wird voraussichtlich kein regulärer Straßenbahn- und Busverkehr stattfinden. Ein eingeschränkter Notverkehr wird geprüft.
- In Dessau-Roßlau fallen sowohl Busse als auch Straßenbahnen komplett aus. Ein Ersatzangebot ist nicht vorgesehen.
- In Halle sind erhebliche Einschränkungen zu erwarten, jedoch plant die HAVAG einen grundlegenden Linienverkehr über einen Ersatzfahrplan.
- Im Burgenlandkreis ist kein regulärer Fahrbetrieb gewährleistet. Ein Notangebot wird ebenfalls geprüft.
Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass der Nahverkehr in den betroffenen Regionen weitgehend zum Erliegen kommt. Fahrgäste sollten sich vor Fahrtantritt über Internetseiten, Apps oder soziale Medien der Verkehrsbetriebe informieren, da kurzfristige Entscheidungen über Notverkehre möglich sind.
Alternativen für betroffene Fahrgäste
Der Streik stellt viele Menschen vor erhebliche Herausforderungen im Alltag. Folgende Alternativen werden empfohlen:
- Nutzung des eigenen Autos oder Bildung von Fahrgemeinschaften
- Umstieg auf Fahrrad oder E-Scooter
- Wenn möglich, Arbeit im Homeoffice erledigen
- Nicht notwendige Fahrten verschieben
Wichtig zu wissen: Die Schulpflicht gilt auch während des Streiks. Eltern müssen den Schulweg ihrer Kinder organisieren. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann das Fehlen entschuldigt werden.
Hintergrund des Tarifkonflikts
Der Warnstreik ist Folge festgefahrener Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr. Verdi fordert unter anderem:
- Eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich
- Entlastungen bei den Arbeitszeiten
- Verbesserte Zuschläge
Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, ein nicht verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt zu haben, das teils deutliche Verschlechterungen bei Arbeitsbedingungen und Sicherheiten bedeute. Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt kritisierte: „Nach vier Monaten Verhandlung legen die Arbeitgeber ein Papier vor, das den Namen Angebot nicht verdient.“
Die Arbeitgeberseite zeigt sich ihrerseits verhandlungsbereit. Birgit Münster-Rendel, Geschäftsführerin in Magdeburg, erklärte: „Die Arbeitgeberseite hat ein Angebot vorgelegt, das von Verdi heute jedoch nicht inhaltlich verhandelt wurde. Stattdessen hat die Gewerkschaft die Gespräche abgebrochen.“
Ausblick und weitere Entwicklung
Verdi will die Streiktage nutzen, um das Angebot mit den Beschäftigten zu beraten. Anschließend soll die Tarifkommission über das weitere Vorgehen entscheiden. Neue Verhandlungstermine sind bislang nicht vereinbart, jedoch will Verdi den Arbeitgebern weitere Termine anbieten.
Weitere Warnstreiks sind nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich gibt es für die Dauer von Warnstreiks keine feste gesetzliche Grenze – entscheidend ist die Verhältnismäßigkeit im Einzelfall. Sollte sich der Konflikt weiter zuspitzen, könnte später eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik in Betracht kommen.
Fahrgäste sollten beachten: Regionalzüge, S-Bahnen und Fernverkehr der Deutschen Bahn sind von diesem Streik nicht betroffen und sollen regulär verkehren.



