Hohe Spritpreise: Rechnet sich der Warnowtunnel für Rostocker Autofahrer?
Warnowtunnel: Lohnt sich Maut bei hohen Spritpreisen?

Hohe Spritpreise: Rechnet sich der Warnowtunnel für Rostocker Autofahrer?

Die extrem gestiegenen Spritpreise belasten derzeit jeden Autofahrer im Portemonnaie. Ausgelöst durch den Krieg im Iran haben sich die Kosten für Benzin und Diesel auf kaum erträgliche Höhen entwickelt. Während die Politik über Entlastungsmaßnahmen streitet und kürzlich beschloss, dass Tankstellen nur noch einmal täglich Preise erhöhen dürfen, stehen Rostocker Verkehrsteilnehmer vor einer konkreten Entscheidung: Maut für den Warnowtunnel zahlen oder lange Umwege in Kauf nehmen?

Die Warnow als natürliche Barriere

Die Hansestadt Rostock wird durch die Unterwarnow geteilt, ohne dass eine Brücke den Fluss überspannt. Querungsmöglichkeiten bestehen erst an der Rövershäger Chaussee über die Vorpommernbrücke sowie am Mühlendamm via Wehr- und Schleusenbrücke. Als dritte Option existiert der Warnowtunnel – Deutschlands erstes privat finanziertes Straßenprojekt – der auf 790 Metern Länge die A19 mit dem Ostseebad Warnemünde verbindet. Seit seiner Eröffnung vor 23 Jahren verbindet das 200.000 Tonnen schwere Bauwerk die Stadtteile Schmarl im Westen und Krummendorf im Osten.

Mautkosten versus Spritverbrauch

Für die Tunnelbenutzung fallen aktuell für Pkw und Motorräder 4,40 Euro Maut an, die im Sommer (1. Mai bis 31. Oktober) auf 5,40 Euro steigt. Nutzer automatisierter Gebührenerfassung (AG, Oscard oder RFID) zahlen ganzjährig 3,49 Euro. Größere Fahrzeuge wie Wohnmobile, Laster und Busse müssen bis zu 22,50 Euro berappen.

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Die entscheidende Frage: Könnte sich die Mautzahlung trotz der zusätzlichen Kosten durch eingesparten Spritverbrauch rechnen? Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Dimensionen: Ein Autofahrer aus Krummendorf möchte die Hanse Messe besuchen. Bei Nutzung des Warnowtunnels beträgt die Strecke lediglich 4,7 Kilometer bei einer Fahrzeit von etwa acht Minuten.

Vermeidet derselbe Fahrer den Mauttunnel und Autobahnen, errechnet die Navigationsapp eine Strecke von über 18 Kilometern über Petersdorfer Straße, Dierkower Allee, Rövershäger Chaussee, Am Strande, Werftstraße, Am Fischereihafen und Schmarler Damm. Die Fahrzeit verlängert sich dabei auf 30 Minuten.

Detaillierte Kostenanalyse

Laut dem Portal Clever Tanken lagen die Spritpreise in Rostock zuletzt bei 2,15 Euro pro Liter Super E5 und 2,28 Euro für Diesel. Vor vier Wochen waren es noch etwa 50 Cent weniger. Christof Tietgen vom ADAC-Regionalclub Hansa gibt Durchschnittsverbräuche an: Im Schnitt benötigt ein Diesel 6,8 Liter auf 100 Kilometer. Bei einem Fahrzeug mit Benzin-Motor sind es etwa 7,7 Liter pro 100 Kilometer.

Unter diesen Annahmen ergeben sich folgende Tendenzwerte: Bei Benzinern belaufen sich die reinen Spritkosten für die Tunnelstrecke auf etwa 78 Cent, zuzüglich 3,49 Euro oder 4,40 Euro Maut. Die längere Umfahrung verbraucht Benzin im Wert von 3,03 Euro. Bei Dieselfahrzeugen liegen die Spritkosten für die Mautstrecke bei 73 Cent, für die Umfahrung bei 2,84 Euro.

ADAC-Sprecher Tietgen weist jedoch darauf hin, dass die Gesamtkosten pro Kilometer wesentlich höher sind: Durch jede Fahrstrecke entstehen Wertverlust, Betriebskosten, Werkstatt- und auch Reifenkosten, die neben Spritkosten hinzugezählt werden müssen. Diese zusätzlichen Faktoren machen jeden gefahrenen Kilometer oft deutlich teurer.

Veränderte Fahrgewohnheiten

Yvonne Osterkamp, Geschäftsführerin der Warnowquerung GmbH, bestätigt veränderte Nutzungsmuster: Nutzer erklären, dass sie aufgrund der hohen Spritpreise eben gerade den Warnowtunnel als Abkürzung nutzen, um längere Fahrzeiten durch die Stadt zu vermeiden. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Irankrieg mit seinen Folgen für die Weltwirtschaft und die hiesigen Spritpreise zu einem veränderten Verhalten der Autofahrer führt.

Allerdings betont Osterkamp die Komplexität der Verkehrssituation: Leider gibt es am Warnowtunnel sehr viele Einflussfaktoren auf den Verkehr und wir können nicht in Zahlen ersehen, welcher Einflussfaktor sich in welchem Maße auswirkt. Genannt werden Baustellen, Unfälle auf anderen Strecken, Urlauberzahlen, Feriensaison, finanzielle Lage der Haushalte, Veranstaltungen und Wetterbedingungen, die sich meist überlagern.

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Aktuelle Verkehrsentwicklung

Seit der zweiten Februarhälfte und im März wurden leicht steigende Verkehrszahlen festgestellt, die dem in Vorjahren üblichen Fahrverhalten entsprechen. Anfang des Jahres führten ungünstige Witterungsbedingungen mit Schnee und Glatteis zu einem Rückgang der Verkehrszahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die aktuellen Zahlen zeigen: Im Februar lag der durchschnittliche tägliche Verkehr bei 10.753 Kraftfahrzeugen, im März bei 12.556. Am Donnerstag, dem 26. März, wurden 14.380 Fahrzeuge gezählt, während an Wochenenden 7.000 bis 9.000 Fahrzeuge den Tunnel passieren.

Letztendlich muss jeder Autofahrer individuell entscheiden, ob sich die Maut für den Warnowtunnel lohnt – auch wenn die hohen Spritpreise die Umfahrung allein dadurch bereits teurer machen als noch vor wenigen Monaten.