Bundesweite Warnstreiks legen öffentlichen Nahverkehr lahm
Seit den frühen Morgenstunden haben umfangreiche Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu erheblichen Verkehrseinschränkungen in fast allen Bundesländern geführt. Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen bleiben vielerorts stehen, während der Tarifkonflikt zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern weiterhin ungelöst ist.
Massive Einschränkungen in zahlreichen Bundesländern
Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), dem größten Nahverkehrsunternehmen Deutschlands, begannen die Arbeitsniederlegungen bereits um 3.00 Uhr. In Hessen sind etwa 5.200 Beschäftigte in Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Marburg, Offenbach und Kassel zum Streik aufgerufen. In Bayern bleiben in 13 Städten – darunter München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt – Busse, Trams und U-Bahnen stehen.
Rheinland-Pfalz verzeichnet ebenfalls erhebliche Ausfälle mit rund 1.500 streikenden Beschäftigten. Im Saarland sind knapp 1.000 Mitarbeiter in Saarbrücken, Neunkirchen, Völklingen, Saarlouis und Merzig betroffen. Die meisten Regionen erwarten heute kaum fahrende Busse oder Bahnen, was besonders Pendler sowie Schüler vor Herausforderungen stellt.
Regionale Unterschiede und Ausnahmen
Nicht alle Bundesländer sind von den Streiks betroffen. In Niedersachsen gilt bis Ende März eine Friedenspflicht, die Arbeitskämpfe im ÖPNV verhindert. Die Deutsche Bahn und ihre S-Bahnen bleiben ebenfalls verschont, da sich die Tarifrunde nicht auf den Konzern bezieht. Die Bahn hat in einigen Regionen sogar angekündigt, ihr S-Bahn-Angebot aufgrund der Warnstreiks auszuweiten.
Die Streikdauer variiert regional erheblich. Während in Bremen Warnstreiks bis in die Nacht auf Montag angekündigt sind, finden sie in Mecklenburg-Vorpommern nur am Freitag statt. In einem Landkreis in Sachsen-Anhalt dauern die Arbeitsniederlegungen von Donnerstag bis einschließlich Sonntag – also vier Tage lang.
Hintergrund des Tarifkonflikts
Bei den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert die Gewerkschaft Verdi deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehören kürzere Wochenarbeitszeiten und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn werden zusätzlich höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Verdi beklagt, dass die Gespräche zuletzt kaum vorankamen. Auch die Arbeitgeber sehen fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe kritisierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klar gemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft als prioritär betrachtet.
Zweite großangelegte Aktion diesen Monat
Die aktuellen Warnstreiks stellen bereits die zweite bundesweite Aktion in der laufenden ÖPNV-Tarifrunde dar. Bei der ersten Aktion am 2. Februar kam der öffentliche Personennahverkehr in großen Teilen des Landes nahezu komplett zum Erliegen. Wann es zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft zu Tarifeinigungen kommen könnte, bleibt derzeit völlig offen. Die Verhandlungen verlaufen regional sehr unterschiedlich, doch kurz vor einem Abschluss scheinen sie nirgends zu stehen.



