Mehr Kontrollstunden, weniger Verstöße
Die Neubrandenburger Verkehrsüberwachung hat im Jahr 2025 insgesamt 110 Stunden länger mit mobilen Blitzern gemessen als im Vorjahr – und dennoch weniger Temposünder erwischt. Rund 10.200 Fahrer waren zu schnell unterwegs, etwa 1.800 weniger als 2024. Das geht aus einem Bericht von Oberbürgermeister Nico Klose (parteilos) für die Stadtvertretung hervor.
Trefferquote gesunken
Die Trefferquote ist entsprechend gesunken: Knapp zwei Prozent der gemessenen Fahrzeuge waren zu schnell, während der Wert 2024 noch bei rund 2,4 Prozent lag. Zum Vergleich: In einer bundesweiten Befragung des Versicherers Allianz Direct gibt nur gut jeder zweite Autofahrer an, sich immer an Tempolimits zu halten. Die Stadt konzentriert sich zunehmend auf Bereiche, in denen Kinder unterwegs sind.
Schwerpunkt auf Schulwegen
In Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigten Bereichen hat die Abteilung Ordnung, Verkehr und Gewerbe 2025 rund 364 Stunden gemessen, im Vorjahr waren es 274 Stunden. Gut ein Drittel aller Messungen entfiel auf Strecken mit niedriger zulässiger Höchstgeschwindigkeit. Vier von zehn Stunden wurden an Unfallhäufungspunkten abgehalten, weitere knapp 40 Prozent an Orten, an denen schwächere Verkehrsteilnehmer, also vor allem Schulkinder, gefährdet sein können. Dies ist ein bewusster Akzent der Verwaltung. Ein einschlägiger Erlass des Wirtschafts- und Innenministeriums in Schwerin priorisiert eigentlich Unfallhäufungen, Alleen und ähnliche Gefahrenpunkte. Dass die Vier-Tore-Stadt zusätzlich stark auf Schulwege setzt, begründet das Rathaus mit dem Schutz dieser Gruppe.
Meist geringe Überschreitungen
Auffällig ist auch das Ausmaß der Verstöße: Wer geblitzt wird, ist in der Regel nur wenig zu schnell. Gut neun von zehn Fahrern lagen bis 15 km/h über dem erlaubten Tempo, mehr als 70 Prozent sogar nur bis 10 km/h drüber. Niemand wurde 2025 mit mehr als 60 km/h über dem Limit erwischt, nur acht Fahrer lagen über 40 km/h drüber. Andere Städte in Mecklenburg-Vorpommern liegen deutlich über diesen Werten. In Rostock nahm die Hansestadt 2024 allein bei Tempoverstößen rund 2,8 Millionen Euro Bußgelder ein, im vergangenen Jahr schon 3,5 Millionen. Die Zahl der dort registrierten Geschwindigkeitsverstöße betrug 2024 etwa 50.200 – das Fünffache der Neubrandenburger Zahl, bei gut dreifacher Einwohnerzahl.
Landkreis mit weniger Verfahren
Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte führte die Verwaltung 2024 rund 117.600 Bußgeldverfahren wegen Tempoverstößen, etwa 26.000 weniger als 2023. Dass Tempo nach wie vor die zentrale Unfallursache in Mecklenburg-Vorpommern ist, zeigen Zahlen der Landespolizei. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg starben 2024 zwölf Menschen bei Unfällen mit überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit. Ein Jahr zuvor waren es fünf.



