Winterchaos legt Münchner Flughafen lahm: Hunderte Passagiere müssen Nacht in Flugzeugen verbringen
Was als kurzer Flug von München nach Kopenhagen geplant war, endete für 123 Passagiere in einer nächtlichen Odyssee. Am Donnerstag, dem 19. Februar 2026, sollten sie um 21:30 Uhr mit Lufthansa-Flug LH2446 starten, doch stattdessen verbrachten sie acht Stunden in einem geparkten Airbus 320neo – ohne dass sich das Flugzeug auch nur einen Meter bewegte.
Schneefall und Nachtflugverbot führen zu chaotischen Zuständen
Wegen starken Schneefalls verzögerte sich der Start immer wieder, bis der Flug schließlich um 23:56 Uhr komplett gestrichen wurde. Normalerweise würden Passagiere in solchen Fällen mit Bussen zurück ins Terminal gebracht, doch in dieser Nacht fehlten die Fahrzeuge. Laut Passagierberichten informierte die Crew alle 30 Minuten über erfolglose Versuche, Busse zu organisieren.
Gegen 2 Uhr morgens erhielten die Reisenden die ernüchternde Nachricht: Der Flughafen München sei geschlossen, alle Busfahrer seien nach Hause gegangen. Grund dafür war das Nachtflugverbot, das in München zwischen null und 5 Uhr gilt.
„Weder ausreichend Essen noch Decken“ für gestrandete Familien
Unter den Betroffenen war eine dänische Familie mit zwei Kindern, die von ihrem Thailand-Urlaub zurückkehrten und die letzte Etappe nach Kopenhagen antreten wollten. Der Familienvater (49) berichtete der dänischen Zeitung „Ekstra Bladet“: „Es gab weder ausreichend Essen noch Trinken für uns und unsere kleine Kinder und auch keine Decken. Sie hatten nur ein paar Wasserflaschen.“
Ein weiterer Passagier kritisierte scharf: „Flüge können jederzeit gestrichen werden, aber die Leute auf unbestimmte Zeit im Flugzeug zurückzulassen, ist inakzeptabel.“
Rund 500 Reisende betroffen – nicht nur Kopenhagen-Flug
Nach Informationen waren nicht nur die Passagiere des Kopenhagen-Flugs betroffen. Insgesamt mussten rund 500 Menschen die Nacht auf dem Rollfeld verbringen, darunter Reisende von Lufthansa-Flügen nach Singapur und Danzig sowie von zwei Air-Dolomiti-Flügen nach Graz und Venedig.
Erst in den frühen Morgenstunden konnten die Passagiere schließlich ins Terminal gebracht werden. Die Lufthansa buchte sie auf alternative Flüge um, doch auch diese starteten mit Verzögerungen. Der erste Ersatzflug nach Kopenhagen sollte um 6:40 Uhr abheben, hatte aber noch etwa eine Stunde Verspätung.
Lufthansa bedauert „Engpässe bei den Vorfeldbussen“
Die Lufthansa reagierte auf die Vorfälle mit einer Stellungnahme: „Aufgrund der Wetterlage am 19. Februar mit starkem Schneefall am Flughafen München kam es zu temporären Schließungen der Startbahn und massiven Verzögerungen bei Enteisungsvorgängen.“ Die Fluggäste hätten nach Vorgabe des Flughafens aus Sicherheitsgründen an Bord bleiben müssen.
„Aufgrund von Engpässen bei den Vorfeldbussen konnten die Passagiere dieses Fluges erst in den frühen Morgenstunden wieder ins Terminal gefahren werden“, so die Airline weiter. Die Enteisungsmaschinen seien nach dem Wintereinbruch im Volleinsatz gewesen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Die Ereignisse werfen Fragen zur Krisenvorsorge an deutschen Flughäfen bei extremen Wetterlagen auf. Passagierrechte-Experten weisen darauf hin, dass Airlines bei solchen Vorfällen zu Ersatzleistungen verpflichtet sind, wenn Passagiere übermäßig lange an Bord festgehalten werden.



