Europas Baubranche im Aufschwung - Deutschland hinkt hinterher
Während sich der europäische Wohnungsbau deutlich erholt und einen regelrechten Boom erlebt, bleibt Deutschland bei der Schaffung neuen Wohnraums weiterhin deutlich zurück. Aktuelle Prognosen des ifo-Instituts und der Forschergruppe Euroconstruct zeichnen ein klares Bild dieser Entwicklung.
Europäischer Bauboom nimmt Fahrt auf
Für das Jahr 2026 werden in Europa voraussichtlich 1,47 Millionen Wohnungen fertiggestellt, nach 1,44 Millionen im Vorjahr. Die Experten rechnen mit einem deutlichen Anstieg in den kommenden Jahren: 2027 sollen es bereits 1,58 Millionen neue Wohneinheiten sein, 2028 sogar 1,66 Millionen. Diese positive Entwicklung zeigt sich in zahlreichen europäischen Ländern.
Großbritannien steigert seine Fertigstellungen von rund 161.000 Wohnungen im Jahr 2025 auf 207.000 im Jahr 2028. Frankreich legt von 272.000 auf 314.000 zu, Spanien von 95.000 auf 135.000 Wohnungen. Besonders dynamisch entwickeln sich kleinere Länder: Ungarn verdoppelt seine Neubauten fast von 14.000 auf 27.000 Wohnungen, Irland kommt von 34.000 auf 45.000, Schweden von 32.000 auf 41.000 Einheiten.
Deutschland bleibt deutlich unter europäischem Durchschnitt
Während Europa Tempo macht, stottert der deutsche Wohnungsbau. „Auch wenn in Europa wieder mehr Wohnungen gebaut werden, wird der Aufschwung in Deutschland dagegen erst verzögert einsetzen und nur moderat ausfallen“, erklärt ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- Nach einem Rückgang auf 205.000 Wohnungen im Jahr 2025 sinkt die Zahl der Fertigstellungen 2026 weiter auf 185.000 Einheiten
- Erst 2027 steigt sie wieder auf 205.000
- 2028 werden voraussichtlich 215.000 Wohnungen fertiggestellt
Das bedeutet: Selbst 2028 wird die Zahl der Neubauten noch um 15 Prozent unter dem Wert von 2024 liegen. Pro 1000 Einwohner werden in Deutschland 2028 etwa 2,6 Wohnungen fertiggestellt - deutlich weniger als im europäischen Mittel von 3,4 Wohnungen.
Kosten und Bürokratie bremsen deutschen Wohnungsbau
„Auf dem deutschen Wohnungsmarkt liegen Projektkosten und Zahlungsbereitschaft in vielen Fällen weiter deutlich auseinander“, analysiert Dorffmeister. Die Initiativen von Bundes- und Länderregierungen zur Kostensenkung und Verfahrensbeschleunigung hätten bislang nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
Die Diskrepanz zwischen den Baukosten und dem, was sich potenzielle Käufer oder Mieter leisten können, bleibt ein zentrales Problem. Trotz politischer Ankündigungen und Förderprogramme gelingt es nicht, den Wohnungsbau in Deutschland auf das Niveau der europäischen Nachbarländer zu heben.
Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich, dass Deutschland im europäischen Vergleich weiter an Boden verliert. Während andere Länder ihre Bauaktivitäten deutlich ausweiten und damit auf den wachsenden Bedarf an Wohnraum reagieren, bleibt die deutsche Baubranche in einer Phase der Stagnation gefangen.



