Ifo-Institut: Europäische Bauwirtschaft startet durch - Deutschland folgt später
Europas Bauwirtschaft wächst deutlich - Deutschland hinkt hinterher

Europas Bauwirtschaft startet durch - Deutschland folgt später

Die europäische Bauwirtschaft befindet sich auf einem klaren Aufwärtstrend. Nach einem enttäuschenden Jahr 2025 mit nur 0,3 Prozent realem Wachstum erwartet die Forschergruppe Euroconstruct für das laufende Jahr 2026 eine deutliche Steigerung auf 2,4 Prozent. Diese positive Entwicklung setzt sich in den Folgejahren fort, wie das Münchner Ifo-Institut, das Teil der Euroconstruct-Gruppe ist, mitteilt.

Ifo-Experte: Bauwirtschaft schaltet direkt in höheren Gang

„Die europäische Bauwirtschaft schaltet 2026 aus dem Leerlauf direkt in den übernächsten Gang und hält dieses Tempo bis 2028 weitgehend durch“, erklärt Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. Für 2027 prognostizieren die Forscher ein Wachstum von 2,2 Prozent, für 2028 immerhin noch 1,9 Prozent. Diese Entwicklung wird sowohl durch den Wohnungsbau als auch durch den Tiefbau getrieben.

Bis zum Jahr 2028 wird das Marktvolumen in beiden Bereichen um jeweils 7,5 Prozent höher liegen als im Basisjahr 2025. Als Hauptgründe für diesen Anstieg nennt Dorffmeister das regional knappe Wohnraumangebot in vielen europäischen Ländern sowie den enormen Investitionsbedarf im Verkehrs- und Energiesektor. Der übrige Hochbau zeigt sich dagegen weniger dynamisch und wird bis 2028 voraussichtlich nur um 4,7 Prozent wachsen.

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Deutschland erreicht Talsohle im Wohnungsbau erst 2026

Während Europa insgesamt aufholt, hinkt Deutschland bei der Erholung hinterher. Die Prognose zur Zahl der Wohnungsfertigstellungen zeigt, dass in den 19 untersuchten Ländern die Fertigstellungen von 1,44 Millionen im vergangenen Jahr kontinuierlich auf 1,66 Millionen im Jahr 2028 steigen werden. In Deutschland wird die Talsohle jedoch erst im laufenden Jahr 2026 erreicht.

Für 2026 steht noch ein Rückgang um 20.000 auf insgesamt 185.000 Wohnungsfertigstellungen an. Erst ab 2027 geht es wieder bergauf: 205.000 Fertigstellungen sind für 2027 vorgesehen, 2028 sogar 215.000. Positiv zu vermerken ist, dass die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen zuletzt bereits angezogen hat. Allerdings wird es nach Experteneinschätzung einige Zeit dauern, bis diese Bauvorhaben auch tatsächlich umgesetzt werden können.

Ungewisse Wirkung des deutschen Sondervermögens

Für die Bauwirtschaft in Deutschland bleibt ungewiss, welche Impulse das sogenannte Sondervermögen tatsächlich bringen wird. „Ein wesentlicher Teil darf nicht für Investitionen genutzt werden“, gibt Dorffmeister zu bedenken. Im Verkehrsbereich machen sich die zusätzlichen Finanzmittel bisher nur im Schienensektor positiv bemerkbar.

Die Untersuchung von Euroconstruct unterstreicht somit eine geteilte Entwicklung: Während die europäische Bauwirtschaft insgesamt kräftig anzieht, durchläuft Deutschland insbesondere im Wohnungsbau noch eine schwierige Phase, bevor ab 2027 mit einer deutlichen Erholung zu rechnen ist.

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