Wenn Beige auf Gelb trifft: Geschmackskonflikte beim gemeinsamen Einrichten
Geschmackskonflikte beim gemeinsamen Einrichten

Wenn Beige auf Gelb trifft: Die unerwartete Herausforderung beim gemeinsamen Wohnen

Ein monumentales Kunstwerk von 1,80 mal 2,50 Metern dominiert plötzlich die Wand. Es erinnert an eine Sonne, die nach drei Energy-Drinks in einem beigefarbenen Wohnzimmer explodiert ist. Ich, die Verfechterin aller Nuancen von „eigentlich ist es keine Farbe“ – Beige, Ecru, Leinen, Creme, Wüstensand – bin mit meinem Freund zusammengezogen. Das orange-rot-gelbe Gemälde gehört ihm. Seit zehn Tagen hängt es in meiner Wohnung, die nun zu unserer gemeinsamen geworden ist.

Die romantische Vorstellung gegen die bunte Realität

Man stellt sich das Zusammenziehen romantisch vor: zwei Zahnbürsten im selben Becher, Weinabende auf dem Balkon, verschwenderische Sonntage im Bett. Sicher, es gibt Diskussionen über Zahnpasta-Flecken im Waschbecken oder darüber, wer schon wieder vergessen hat, den Müll herunterzubringen. Doch die eigentliche, tiefgreifende Herausforderung liegt woanders. Zusammenziehen bedeutet in erster Linie: eine immense Menge an Dingen. In unserem speziellen Fall: eine überwältigende Fülle an bunten Gegenständen. Plötzlich wird klar: Man kann sich ein Bett teilen, aber nicht immer den identischen ästhetischen Geschmack.

1:0 für das strahlende Gelb

Ich hatte keine Ahnung, dass ein Mensch derart viele gelbe Objekte besitzen kann. Gelbe Tassen, gelbe Decken und natürlich das bereits erwähnte gelbe Bild. Mein zurückhaltendes Beige trifft auf sein lebhaftes Gelb. Vor seinem Einzug existierte in meiner Wohnung exakt ein gelbes Objekt: Bananen. Und selbst diese waren nur temporäre Gäste.

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Nach der Entdeckung des Gelbs folgte das Blau. Blaue Gläser, blau-weißes Geschirr, ein weiteres Bild in Blautönen und – warum eigentlich nicht? – ein blauer Samtsessel. Mein vorheriges Einrichtungskonzept ließ sich mit „ruhige Naturtöne“ beschreiben. Sein Motto hingegen scheint zu lauten: „Warum nicht alle Farben des Regenbogens gleichzeitig?“

Die absurde Welt der Rührschüsseln

Dann sind da die Rührschüsseln. Eine geradezu absurde Anzahl, in allen erdenklichen Größen und, wie könnte es anders sein, in den verschiedensten bunten Farben. Es handelt sich um ein kulinarisches Matroschka-System: Man öffnet eine große Schüssel, darin befindet sich eine kleinere, und in dieser wiederum eine noch kleinere. Wie klein kann der Hunger eines Menschen eigentlich sein?

Kleine Siege und große ästhetische Niederlagen

Das fundamentale Problem beim gemeinsamen Einrichten ist der Wunsch, dass sich beide Partner gleichermaßen wohlfühlen. Gleichzeitig möchte man nicht in einer Wohnung leben, die aussieht, als hätte ein kompletter Tuschkasten einen Nervenzusammenbruch erlitten.

Die Schlacht um das Bild habe ich verloren. Es hängt nun an der Wand und leuchtet wie ein hyperaktiver Sonnenuntergang. Beim blauen Samtsessel konnte ich mich durchsetzen. Doch bei der Armee der bunten Schüsseln? Hier gebe ich mich nicht so schnell geschlagen. Wird er überhaupt bemerken, wenn gelegentlich eine Schüssel verschwindet? Vielleicht zusammen mit einer der farbenfrohen Tassen? Vermutlich nicht.

Eine bunte Bereicherung für das Leben

Am Ende ist jedoch nicht nur die Wohnung farbenfroher und lebendiger geworden. Sondern auch das gemeinsame Leben mit ihm. Und für diese Bereicherung lohnt es sich durchaus, dem strahlenden Gelb und den anderen kräftigen Farben ein wenig Platz einzuräumen. Die Kompromisse in der Einrichtung werden so zu einem Spiegel der bereichernden Kompromisse in der Beziehung.

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