Heizungsdrama in Prenzlau: Mieter frieren seit Wochen trotz Notlösungen
Heizungsdrama in Prenzlau: Mieter frieren seit Wochen

Heizungsdrama in Prenzlau: Mieter frieren seit Wochen trotz Notlösungen

In der Prenzlauer Baustraße herrscht seit Wochen ein unerträglicher Zustand für zahlreiche Mieter. Trotz winterlicher Temperaturen müssen sie in ihren Wohnungen frieren, da die Heizungsanlage komplett ausgefallen ist und selbst provisorische Lösungen nur bedingt Abhilfe schaffen.

Seniorin muss mit Strickweste und dicken Socken durch die Wohnung laufen

Vera Dollerschell, eine 72-jährige Rentnerin, läuft seit Wochen nur noch mit Strickweste, Strumpfhose und dicken Socken in ihrer Wohnung herum. Teilweise musste sie Temperaturen von bis zu 14 Grad Celsius in ihren Zimmern ertragen. „Ich habe zwar neue Heizkörper bekommen, doch was nützen die, wenn es durch die alten Fenster wie Hechtsuppe zieht?“, klagt die Seniorin konsterniert.

Die Situation wurde durch den plötzlichen Komplettausfall der Heizungsanlage in ihrem Wohnblock noch verschärft. „Der vor dem Haus aufgestellte Container hat nur bedingt etwas gebracht“, vermutet die Prenzlauerin. Besonders unerträglich sei inzwischen die Situation beim Warmwasser geworden.

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Pflegebedürftiger Mann kann kaum geduscht werden

Als der Nordkurier am 2. März bei ihr vorbeischaute, war sie gerade fertig damit, ihren pflegebedürftigen Mann zu duschen: „Ich habe fix die Gunst der Stunde genutzt, als sowohl die Wohnung als auch das Wasser so leidlich warm waren. Aber das kann doch nicht so weitergehen.“

Im Nachbaraufgang in der Baustraße 41 ist die Stimmung bei den Mietern ähnlich schlecht. Monika und Fred Ballin schimpfen ebenfalls über unzumutbare Bedingungen. Ihrer Schilderung nach dauert dieser Zustand seit Weihnachten 2025 an: „Über acht Wochen lang war der kleine Badheizkörper manchmal der einzige, der warm wurde in der Wohnung, das kann man echt keinem erzählen.“

Gesundheitliche Probleme verschärfen die Situation

Der 64-jährigen Monika Ballin, die an COPD leidet, fehlt vor allem das warme Wasser in ihrem Alltag: „Ich muss krankheitsbedingt oft duschen. Das konnte ich jetzt meistens nicht.“ Ihr 66-jähriger Mann räumte am Montag ein, sich hilflos zu fühlen in dieser Situation: „Denn es gibt nicht mal jemanden, bei dem man seinen Frust ablassen kann oder der einem sagt, wie es weitergeht.“

Schlechte Kommunikation mit dem Vermieter

Die Kommunikation mit dem Vermieter bezeichnete der gelernte Landmaschinenschlosser Fred Ballin als „überaus mies. Entweder klingelt das Telefon ins Leere, oder man hat jemanden in einem Callcenter dran, der sich gar nicht auskennt mit unserer Problematik.“

Zu Wochenbeginn habe es erneut einen Reparaturversuch in ihrer Wohnung gegeben, bestätigten sie: „Aktuell messen wir auch knapp über 21 Grad, aber wir glauben nicht, dass das von Dauer sein wird.“

Von der Nutzung der vom Vermieter zur Verfügung gestellten Elektroheizkörper haben sie - wie auch Familie Dollerschell - weitestgehend abgesehen; aus Angst, dass ihnen die Energiekostenrechnung später um die Ohren fliegt: „Das kann doch kein Mensch bezahlen.“

Vermieter bestätigt Heizungsausfall und verweist auf Notlösung

Wencke Lippski, Leiterin Unternehmensorganisation & Kundenservice der Wohnbau GmbH Prenzlau, stellte in ihrer Antwort auf die Anfrage des Uckermark Kurier klar, dass es sich bei dem betroffenen Objekt um eine Wohnungseigentumsanlage (WEG) handelt: „Das bedeutet, dass sich die einzelnen Wohnungen nicht ausschließlich im Eigentum der Wohnbau GmbH Prenzlau befinden.“

Man übernehme aber in diesem Zusammenhang die Funktion der Verwalterin der Immobilie. Die Sprecherin bestätigte, dass es am Abend des 13. Januar 2026 zu einem Ausfall der Heizungsanlage gekommen sei. „Eine unmittelbare Reparatur war aufgrund des Schadensbildes nicht möglich. In enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Prenzlau konnte jedoch bereits am 14. Januar 2026 eine alternative Heizungsanlage als provisorische Lösung installiert und in Betrieb genommen werden.“

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Man danke insbesondere den Stadtwerken Prenzlau für die konstruktive und schnelle Unterstützung, durch die es gelungen sei, innerhalb weniger Stunden – insbesondere vor dem Hintergrund der winterlichen Witterungsverhältnisse – die Wärmeversorgung der Immobilie sicherzustellen, heißt es in dem Antwortschreiben der Wohnbau GmbH: „Sollte es infolge des Heizungsausfalls dennoch zu Einschränkungen oder Unannehmlichkeiten für die Mieter gekommen sein, bitten wir um Verständnis. Bei dem Vorfall handelte es sich um eine nicht vorhersehbare Havariesituation, auf die jedoch umgehend reagiert werden konnte.“

Betroffen sind Dutzende Wohnungen in der Prenzlauer Baustraße in der Nähe des Amtsgerichts. Die Mieter hoffen nun auf eine dauerhafte Lösung, bevor der nächste Winter kommt.