Acht Tipps vom Mieterbund: So meistern Sie die Wohnungsbesichtigung erfolgreich
In ganz Deutschland herrscht ein akuter Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Wer dennoch eine passende Immobilie findet, sollte bei der Besichtigung besonders aufmerksam sein. Die Redaktion und der Deutsche Mieterbund haben acht wertvolle Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen, versteckte Mängel zu erkennen und böse Überraschungen zu vermeiden.
1. Tageslicht und Ruhe nutzen
Planen Sie Ihre Wohnungsbesichtigung unbedingt bei Tageslicht ein. Nur so können Sie realistisch einschätzen, wie hell die Räume tatsächlich sind und ob an Wänden, Decken oder Böden Schäden vorhanden sind. Der Deutsche Mieterbund warnt ausdrücklich vor Besichtigungen in der Dunkelheit. Ebenso problematisch sind Massenbesichtigungen mit knapp bemessener Zeit, da Interessenten kaum Gelegenheit haben, sich einen umfassenden Eindruck zu verschaffen.
2. Frühzeitig erscheinen und Nachbarn befragen
Es empfiehlt sich, etwa eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Termin vor Ort zu sein. Nutzen Sie diese Zeit, um die Umgebung zu erkunden, auf mögliche Lärmquellen zu achten und das Gebäude von außen zu begutachten. Ein kurzes Gespräch mit Nachbarn kann ebenfalls sehr aufschlussreich sein. Diese können beispielsweise Auskunft darüber geben, ob sich der Vermieter angemessen um das Haus kümmert. Laut dem aktuellen Mietenreport 2025 des Deutschen Mieterbundes leben mehr als 44 Millionen Menschen in Deutschland zur Miete. Die Konkurrenz ist zwar groß, dennoch sollte niemand eine Besichtigung überhastet angehen.
3. An die Wand klopfen und auf Geräusche achten
Dünnwandige Decken und Wände stellen ein häufiges Ärgernis dar. Der Mieterbund rät daher, bei der Besichtigung ruhig einmal an die Wand zu klopfen. Klingt sie dünn oder hohl, ist damit zu rechnen, dass man die Nachbarn deutlicher hört als erwünscht. Generell sollten Sie auf Geräusche achten: Sind Schritte oder Stimmen aus angrenzenden Wohnungen vernehmbar? Dringt Straßenlärm trotz geschlossener Fenster in die Räume? Wer diese Punkte in Ruhe prüfen möchte, benötigt einen Einzeltermin statt einer Massenbesichtigung.
4. Spuren von Feuchtigkeit und Schimmel erkennen
Ein kritischer Blick auf Fenster und Heizung gehört zu jeder seriösen Besichtigung. Wirken die Fenster dicht oder zieht es? Gibt es Feuchtigkeitsflecken an den Rahmen oder sichtbare Schimmelspuren? Wird die Heizung gleichmäßig warm? Besonders bei älteren Gebäuden können Probleme mit Wärmebrücken auftreten. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik hat ermittelt, dass rund zehn Prozent aller Bauschadensfälle in Deutschland mit Schimmel zusammenhängen. Das Risiko, in einer schimmelbelasteten Wohnung an Asthma zu erkranken, liegt demnach um 40 Prozent höher.
5. Wasserhähne anstellen und Heizkörper prüfen
Schimmel, der sich in Ecken oder hinter Möbeln versteckt, zählt zu den Mängeln, die Mieter bei Besichtigungen am häufigsten übersehen. Hinzu kommen oft unzureichender Wasserdruck und mangelnde Heizleistung. Beides fällt vielen erst nach dem Einzug auf. Wer bei der Besichtigung Wasserhähne aufdreht und Heizkörper anfasst, ist klar im Vorteil. In etwa 60 Prozent der Fälle sind bauliche Mängel die Ursache für Schimmelbefall, in weiteren 30 Prozent eine Kombination aus Baumängeln und falschem Lüften. Ein genauer Blick während der Besichtigung kann späteren Ärger wirksam verhindern.
6. Mietpreisbremse: Vergleich ist unerlässlich
Vor einer verbindlichen Zusage sollten alle Kostenfragen detailliert geklärt sein. Wie hoch ist die Warmmiete, wie hoch die Kaltmiete? Was ist in den Nebenkosten enthalten, was muss extra gezahlt werden? Der Mieterbund weist darauf hin, dass in vielen Städten die Mietpreisbremse gilt. Laut dem Mietenmonitor des Deutschen Mieterbundes verstoßen in Berlin rund 46 Prozent der inserierten Bestandswohnungen dagegen. Ob die verlangte Miete rechtmäßig ist, lässt sich beim örtlichen Mieterverein überprüfen.
7. Nur unterschreiben, was verstanden wird
Die Kaution darf gesetzlich höchstens drei Monatskaltmieten betragen und kann in drei Raten gezahlt werden. Der Mieterbund empfiehlt, den Mietvertrag vor der Unterschrift sorgfältig zu lesen und bei Unklarheiten professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, beispielsweise beim Mieterverein. Wer etwas nicht versteht, sollte keinesfalls unterschreiben. Die Zahl der Mietrechtsstreitigkeiten vor deutschen Gerichten ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2024 auf rund 197.000 gestiegen, ein Plus von knapp acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.
8. Erst der Vertrag, dann das Geld
Beim Einzug sollten Sie auf einem detaillierten Übergabeprotokoll bestehen. Darin wird festgehalten, welche Schäden bereits vorhanden sind und wie der Zustand der Wohnung zum Einzugszeitpunkt ist. Fotos und Zeugen sind sinnvoll, falls es später zu Streitigkeiten kommt, etwa über die Rückzahlung der Kaution. Grundsätzlich rät der Deutsche Mieterbund: alles genau anschauen, sich Zeit nehmen, nachfragen und prüfen. Niemand sollte sich unter Druck setzen lassen, vorschnell zu unterschreiben oder Miete und Kaution zu überweisen, bevor der Vertrag rechtskräftig geschlossen ist.



