SPD stellt klare Bedingung: Mieterschutz muss im Heizungsgesetz verankert werden
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat eine klare Forderung für das geplante Heizungsgesetz der Regierungskoalition formuliert. Der Schutz von Mietern vor überhöhten Heizkosten wird zur zentralen Bedingung für die Zustimmung der SPD-Fraktion. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch erklärte gegenüber dem Magazin „Stern“ deutlich: „Mit mir wird es kein Gesetz geben, das Mieterinnen und Mieter auf den Kosten sitzen lässt. Der Mieterschutz ist für mich zentral.“
Detailarbeit beginnt nach Vorlage der Eckpunkte
Nachdem die Koalition aus Union und SPD erste Eckpunkte für das Gebäudemodernisierungsgesetz vorgelegt hat, beginnt nun die entscheidende Phase der parlamentarischen Beratungen. Miersch betonte: „Wir haben Eckpunkte vorgelegt, jetzt beginnt die Detailarbeit.“ Dabei verwies der SPD-Politiker auf bereits bestehende Regelungen beim CO2-Preis, die eine soziale Lenkungswirkung entfalten sollen und verhindern, dass Vermieter steigende Kosten einfach an Mieter weiterreichen können.
Kontroverse um Biogas-Importe und Energieversorgung
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verteidigte die Pläne für einen verstärkten Einsatz von Biogas gegen Kritik aus der Opposition. Die Ministerin verwies auf Importmöglichkeiten aus der Ukraine: „Biomethan ist verfügbar, wird hierzulande produziert und schon jetzt im Markt vertrieben. Wo eine Nachfrage ist, wird sich ein Markt bilden.“ Reiche räumte zwar regulatorische Herausforderungen ein, zeigte sich aber optimistisch: „Wenn diese gelöst sind, können wir mit signifikanten Biomethanimporten rechnen.“
Gleichzeitig kündigte die Wirtschaftsministerin an, bis zum Sommer ein Modell für die Beimischung sogenannter „grüner Gase“ zu entwickeln. Reiche betonte den pragmatischen Ansatz der Regierung: „Wir wollen die Verbraucher zu einer Investitionsentscheidung ermuntern, indem wir ihnen die Angst vor Überforderung nehmen.“
Grüne kritisieren Energiepolitik als Irrweg
Die oppositionellen Grünen sehen die schwarz-rote Koalition auf einem energiepolitischen Irrweg. Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner warnte vor den Kosten und der Verfügbarkeit von Biogas: „Biogas sei schon heute teurer als Erdgas, weil kaum verfügbar. Und es wird ja nicht günstiger werden.“ Besonders deutlich wurde ihre Kritik an möglichen neuen Abhängigkeiten: „Donald Trump kann morgen schon auf die Idee kommen, uns kein LNG-Gas mehr zu liefern. Dass wir uns mit Reiches Heizhammer in eine neue Abhängigkeit von den USA begeben, ist verrückt.“
Statt auf Importe setzen die Grünen auf heimische erneuerbare Energien: „Die nötige Energie könne Deutschland mit mehr Wind und Sonne, Speichern und optimierten Netzen selbst produzieren.“
Neue Regelungen für Heizungseinbauten geplant
Nach den Reformplänen der Koalition sollen Immobilienbesitzer weiterhin Öl- und Gasheizungen in Wohnhäuser einbauen dürfen. Die bisherige pauschale Pflicht, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden muss, entfällt. Stattdessen sehen die Pläne vor, dass neue Gas- und Ölheizungen ab Januar 2029 mit einem wachsenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden müssen.
Kontroverse um Kostenverteilung zwischen Mietern und Vermietern
Bereits seit Anfang 2023 müssen Vermieter in Deutschland einen Teil der CO2-Kosten beim Heizen mit fossilen Brennstoffen mittragen. Nach einem Stufenmodell werden die Kosten zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt – je schlechter die Energieeffizienz des Gebäudes, desto höher der Anteil des Vermieters. Diese Regelung bleibt jedoch umstritten:
- Der Mieterbund hält die Regelung für fehleranfällig und kritisiert zu viele Ausnahmen für Vermieter
- Eigentümerverbände bemängeln fehlende Anreize für Mieter, sparsam zu heizen
- Die SPD pocht auf verbesserte Schutzmechanismen für Mieterhaushalte
Förderung für klimafreundliche Heizungen soll verlässlich bleiben
SPD-Fraktionschef Miersch machte deutlich, dass die Förderung für klimafreundliche Heizungen verlässlich bleiben müsse, „damit der Austausch zu klimafreundlichen Heizungen weiter angereizt wird.“ Gleichzeitig betonte er die soziale Dimension der geplanten Reform: Mieter, die nicht selbst über ihre Heizung entscheiden könnten, müssten „vor überhöhten Nebenkosten durch den Neueinbau unwirtschaftlicher Heizungen“ geschützt werden.
Wirtschaftsministerin Reiche verwies zusätzlich auf heimische Gasreserven: „Wir haben eigene Reserven in Deutschland.“ Entscheidend sei dabei die Förderfähigkeit unter guten Bedingungen. In der aktuellen geopolitischen Lage müsse „sehr sensibel zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abgewogen werden“.



