Münchner Studentenstadt: Bewohner rebellieren gegen katastrophale Wohnbedingungen
Studentenstadt München: Bewohner rebellieren gegen Zustände

Deutschlands größte Studierendensiedlung in München: Ein Skandal offenbart sich

Verschimmelte Gemeinschaftsküchen, bröckelnder Putz, Wasserschäden und verrostete Toiletten – die Liste der Mängel in der Münchner Studentenstadt ist erschreckend lang. Bewohnerinnen und Bewohner haben dem Studierendenwerk München Oberbayern, dem Betreiber der Wohnheime, mehr als 2400 Fotos von katastrophalen Zuständen überreicht. Die Aufnahmen dokumentieren Gemeinschaftsräume, die in einem desolaten Zustand sind und dringend saniert werden müssen.

Studierendenwerk reagiert mit Aktionsplan – doch die Bewohner bleiben skeptisch

Auf die öffentlich gewordenen Klagen hat das Studierendenwerk nun mit einem Maßnahmenkatalog reagiert. Seit Anfang der Woche laufen erste Reinigungsarbeiten in den Gemeinschaftsbereichen, Fluren, Küchen und Sanitäranlagen der sogenannten Altstadt. Zahlreiche Kühlschränke und Herde wurden bereits ausgetauscht, und das Budget soll aufgestockt werden, um Reparaturen deutlich schneller durchführen zu können. Das Ziel: das Vertrauen der Studierenden zurückgewinnen.

Doch die Bewohner üben weiter scharfe Kritik. „Wir wurden an der Erarbeitung des Aktionsplans nicht beteiligt – dabei sind wir doch die Betroffenen“, sagt Philipp Hörterer, Bewohner der Studentenstadt. In einer Stellungnahme heißt es: „Das sorgt bei uns nicht für Zuversicht, sondern für Unverständnis.“ Die kurzfristigen Maßnahmen änderten nicht das Grundproblem: „Jahrelang fahrlässiges Handeln, fehlende Einbindung, Abwehr statt Dialog, und dann PR, sobald der öffentliche Druck steigt.“

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Politische Reaktionen und Verantwortungsfragen

Die Politik hat den Druck auf das Studierendenwerk erhöht. Münchens Zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) bezeichnete die Zustände bei einem Besuch als „Sauerei“ im Umgang mit jungen Menschen. In einem Instagram-Video appellierte er an die bayerische Staatsregierung: „Handeln Sie jetzt, sonst handelt die Stadt.“

Das bayerische Wissenschaftsministerium sieht hingegen die Stadt in der Verantwortung. In einer Erklärung heißt es, die geschilderten Zustände seien „nicht hinnehmbar“. Längerfristig führe am kompletten Neubau kein Weg vorbei. Der Freistaat habe bereits 151 Millionen Euro für die Kernsanierung der Studentenstadt investiert, und nach Abschluss der Maßnahmen in der Neustadt müsse „mit Hochdruck auch die Altstadt in den Blick genommen“ werden.

Hintergrund: Die größte Studierendensiedlung Deutschlands

Die Münchner Studentenstadt, seit 2015 im Besitz des Studierendenwerks München Oberbayern, gilt mit 2478 Wohnplätzen als die größte Studierendensiedlung Deutschlands. Die dokumentierten Schäden betreffen vor allem die Altstadt, die 1968 fertiggestellt wurde und etwa 750 Wohnplätze umfasst. Die Neustadt steht derzeit weitgehend leer, da Sanierungsarbeiten anstehen oder bereits laufen.

Bewohnervertreter klagen, dass auch in weiteren Münchner Wohnheimen des Studierendenwerks katastrophale Zustände herrschen. Claudia Meijering, Geschäftsführerin des Studierendenwerks, entschuldigte sich in einer E-Mail für die „zum Teil auch sehr großen“ Schäden und bat um Mithilfe bei der Erfassung und Priorisierung aller Mängel.

Ausblick: Ungewisse Zukunft für die Bewohner

Ob sich die Situation zeitnah bessert, bleibt ungewiss. Bewohner Philipp Hörterer ist skeptisch und enttäuscht: „Anstatt uns in Ruhe auf die Prüfungen vorbereiten zu können, müssen wir darum kämpfen, dass die katastrophalen Zustände in unseren Wohnheimen endlich enden. Wir haben Besseres zu tun.“ Die Studierenden kündigten an, ab März eine Mietminderung durchsetzen zu wollen, sollte das Studierendenwerk nicht zeitnah handeln.

Dieser Fall zeigt exemplarisch die Wohnungsnot und hygienischen Probleme, mit denen Studierende in Deutschland konfrontiert sind. Nicht nur in Bayern, sondern bundesweit klagen Studierende über mangelnde Zustände in Wohnheimen, was dringend politisches Handeln erfordert.

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