Wien verschärft Zugang zu Sozialwohnungen mit neuem Punktesystem
Die österreichische Hauptstadt Wien setzt bei der Vergabe von Sozialwohnungen künftig auf ein strengeres Auswahlverfahren. Mit einem neuen Gesetz, das am 17. Juni im Landtag beschlossen werden soll, wird die Wohnungsvergabe grundlegend reformiert. Künftig entscheidet nicht mehr allein die Wartezeit über die Zuteilung einer bezahlbaren Gemeindewohnung.
Paradigmenwechsel in der Wohnungspolitik
Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) spricht von einem Paradigmenwechsel, der die Vergabe transparenter und flexibler gestalten soll. „Wien stellt damit die richtungsweisenden Weichen, auch in Zukunft einen gerechten Zugang zum sozialen Wohnbau zu ermöglichen“, erklärt die Politikerin. Das neue System soll Bewerber mit vorbildlicher Lebensführung belohnen und gleichzeitig Problemfälle aussortieren.
Bonuspunkte für vorbildliches Verhalten
Für das sogenannte „Wiener-Wohn-Ticket“ wurde ein umfassendes Bonuspunktemodell entwickelt. Bewerber müssen bei der Online-Bewerbung deutlich mehr Angaben machen als bisher:
- Ausführliche Informationen zur sozialen Lage
- Genauere Angaben zu Eigentumsverhältnissen und Einkommen
- Meldung des Aufenthaltsstatus und aller Änderungen im Hausstand
- Details zu Mitbewohnern bei Ein- oder Auszug
Besondere Lebensumstände werden mit Bonuspunkten honoriert:
- Menschen in Ausbildung oder Studium
- Junge Familien mit Kindern
- Senioren, die ihren Wohnraum verkleinern möchten
Minuspunkte für Regelverstöße
Umgekehrt führt „unleidliches Verhalten“ in den letzten fünf Jahren zu deutlichen Abzügen. Folgende Vergehen können den Anspruch auf eine Sozialwohnung gefährden:
- Illegale Untervermietung von Wohnraum
- Offene Mietschulden und Zahlungsrückstände
- Schwere Verstöße gegen die Hausordnung
- Vorangegangene Kündigungen wegen Fehlverhaltens
Die Stadtverwaltung will damit gezielt Mietnomaden und Rüpel aus dem System aussortieren, während langjährige, zuverlässige Mieter weiterhin berücksichtigt werden.
Testphase bereits gestartet
Seit Anfang März läuft eine Testphase mit 180 ausgewählten Bewerbern. Alle Angaben werden auf einer digitalen Plattform hochgeladen und verschlüsselt gespeichert. Die bestehenden Mietverträge bleiben dabei erhalten – auch Bewerber, die bereits länger in Wien leben, werden im neuen System berücksichtigt.
Wien verfügt mit rund 420.000 Sozial- und genossenschaftlich geförderten Wohnungen über einen außerordentlich hohen Anteil an bezahlbarem Wohnraum im europäischen Vergleich. Trotzdem steigt der Bedarf kontinuierlich weiter an, was die Notwendigkeit einer gerechten und effizienten Vergabepraxis unterstreicht.



