Wohnungsbau in Deutschland: Baugenehmigungen steigen erstmals seit 2021 wieder an
Nach drei Jahren anhaltender Flaute zeigt der deutsche Wohnungsbau endlich wieder erste positive Signale. Das Statistische Bundesamt meldet für das Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg der genehmigten Wohnungen – erstmals seit dem Jahr 2021. Bundesweit wurden insgesamt 238.500 Wohnungen zur Errichtung genehmigt, was einem Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Branche erholt sich langsam von der Krise
Das Jahr 2024 hatte noch den niedrigsten Stand bei Baugenehmigungen seit 2010 markiert. Die Branche steckte tief in der Krise, verursacht durch hohe Zinsen, teure Baumaterialien und verunsicherte Investoren. Besonders im zweiten Halbjahr 2025 zog die Zahl der Genehmigungen jedoch spürbar an. Für viele Experten ist dies ein Hinweis darauf, dass der Tiefpunkt möglicherweise erreicht sein könnte – auch wenn das aktuelle Niveau weiterhin deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf an Wohnraum liegt.
Experten sehen klares Wendesignal
„Ein Plus bei den Baugenehmigungen von mehr als zehn Prozent im Gesamtjahr ist ein klares Wendesignal“, erklärt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Auch Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) wertet die Entwicklung als Signal für eine mögliche Trendwende. Die Stimmung in der Branche habe sich verbessert, und auch die Investitionen zögen wieder langsam an, so die SPD-Politikerin.
Mieter brauchen weiterhin Geduld
Bis die genehmigten Bauvorhaben tatsächlich umgesetzt sind und neue Wohnungen auf dem Markt verfügbar werden, wird es jedoch noch einige Zeit dauern. Nach Schätzungen der Immobilienbranche werden in diesem Jahr voraussichtlich nur rund 215.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Das sind etwa 20.000 weniger als im Jahr 2025. Zur spürbaren Entspannung des angespannten Wohnungsmarktes wäre deutlich mehr Neubau notwendig.
Bauturbo greift frühestens 2027
Mehr Neubau ist ein erklärtes Ziel der schwarz-roten Bundesregierung. Bereits die Vorgängerregierung hatte das ambitionierte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr ausgegeben – erreicht wurde diese Marke jedoch nie. Nun soll ein sogenannter „Bau-Turbo“ mit schnelleren Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie die Projekte anschieben. Bauministerin Hubertz zeigt sich optimistisch, während es aus der Branche heißt: Spürbare Effekte seien frühestens 2027 oder 2028 zu erwarten.
Vom einst versprochenen Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr ist Deutschland weiter entfernt denn je. Die Trendwende auf dem Papier kommt für viele Mieter bisher nicht im Alltag an, und die Wohnungsnot bleibt in vielen Regionen des Landes ein drängendes Problem.



