Doppel-Demo in Bitterfeld: Netzwerk und AfD demonstrieren in Rufweite auf dem Marktplatz
Am Montagabend präsentierte sich der Bitterfelder Marktplatz in einem ungewöhnlichen Bild: Auf der einen Seite alles bunt, auf der anderen alles blau, dazwischen eine Polizeiabsperrung. Zwei zeitgleich angemeldete Demonstrationen fanden in unmittelbarer Nähe statt, sodass sich kaum jemand verlaufen konnte, der zu einer der Kundgebungen wollte.
Zwei Kundgebungen mit konträren Botschaften
Vor der Stadtkirche startete das Netzwerk „Zukunft. Miteinander gestalten!“ um 18 Uhr die sechste Veranstaltung der Reihe „Bitterfeld-Wolfen zeigt Haltung“. Laut Veranstalter kamen dazu 300 Menschen, während die Polizei 210 Teilnehmer zählte. Gegenüber mobilisierte der AfD-Kreisverband unter dem Motto „Demokratie retten!“, was als klarer Hieb gegen das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ interpretiert wurde, dessen Umsetzung in Bitterfeld-Wolfen seit Monaten für Streit sorgt.
Reden und politische Angriffe
AfD-Bundestagsmitglied Kay-Uwe Ziegler, der nach einem Zug durch die Innenstadt als erster Redner auftrat, kritisierte erneut die Verteilung der Mittel aus dem Programm: „Die Mittel des Programms werden bislang nur an die rot-grüne Truppe dort drüben verteilt.“ Bei der AfD-Demo und der anschließenden Kundgebung zählte die Polizei 280 Teilnehmer.
Was Ziegler dabei ausließ, war die Tatsache, dass sich auf der anderen Seite ein breites Bündnis versammelt hatte. Neben Deutschland- und CDU-Fahnen warnte Christiane Diehl, Vorsitzende der Frauen-Union im Land, als Rednerin vor dem Vormarsch „völkischer Ideen“ in der Familienpolitik. Netzwerk-Zukunft-Sprecherin Bettina Kutz wertete den AfD-Angriff auf das Bundesprogramm nach der Demo als „Teil eines Leitfadens“, um „zivilgesellschaftliches Engagement gezielt zu sabotieren.“
Keine Zwischenfälle und weitere Pläne
Laut Polizei kam es während der Doppeldemo zu keinen Zwischenfällen. Das Netzwerk Zukunft kündigte an, am 8. April, Ostermontag, erneut zu demonstrieren, was auf eine Fortsetzung der politischen Auseinandersetzungen in der Region hindeutet.



