Eisskulpturen am Müritz-Strand: Gemeinschaftsaktion setzt Zeichen vor Landtagswahl
Am Badestrand in Rechlin klang am Sonnabend der Song „Like Ice in the Sunshine“, während dort trotz zweistelliger Temperaturen nicht nur Eis schmolz, sondern vor allem künstlerische Skulpturen aus Müritz-Eisschollen langsam zerflossen. Rund 70 Besucher waren gekommen, um gemeinsam Eistürme und kleine Skulpturenparks zu errichten oder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Kettensägen und Trockentauchanzüge im Einsatz
Die sogenannten „Eismänner“ gingen zunächst, eingepackt in Trockentauchanzüge und mit Kettensägen bewaffnet, auf die noch gefrorene Wasseroberfläche der Müritz. Sie lösten Eisschollen heraus und zogen sie per Schlauchboot ans Ufer. Dort warteten bereits Hobbykünstler, die daraus kunstvolle Türme und Skulpturen formten. Mit Lebensmittelfarbe erhielten manche Arbeiten den letzten künstlerischen Schliff.
„Die größte Herausforderung war, weit genug aufs Eis zu kommen, ohne nach wenigen Metern einzubrechen“, berichteten die Organisatoren. Da große Brocken rar waren, wurde kurzerhand ein Brett zur Trage umfunktioniert. Am Ende posierten alle Teilnehmer gemeinsam vor ihren vergänglichen Kunstwerken mit der Botschaft „Zusammen bewegen“.
Landesweite Initiative „Zusammen bewegen“
Damit war Rechlin Teil der landesweiten Initiative „Zusammen bewegen“, zu der auch die südliche Müritzregion mit der Regional-Gruppe „Alle zusammen“ gehört. Hinter dem im Oktober gegründeten Netzwerk stehen nach eigenen Angaben mehr als 500 Engagierte aus Vereinen, Initiativen und Projekten in Mecklenburg-Vorpommern.
„Ziel ist es, Begegnungen zu schaffen, Gemeinschaft zu stärken und die politischen Debatten vor der anstehenden Landtagswahl aktiv mitzugestalten“, erklärte Mitorganisator Philip Wilbrandt aus Rechlin. „Nach einem Aufruf vom Kulturkosmos haben sich hier bei uns etwa 150 Leute zusammengesetzt und viele kreative Ideen produziert. Es wird im Laufe des Jahres diverse weitere schöne Aktionen geben.“
Spontane Teilnahme und mutiges Anbaden
Die Teilzeit-Rechlinerin Sybille Petersohn zeigte sich begeistert: „Ich finde die Idee super, einfach etwas miteinander zu machen. Wir waren neugierig und haben uns spontan entschlossen, dabei zu sein.“ Drei besonders Mutige wagten am Ende sogar das traditionelle Anbaden in der noch kalten Müritz zwischen den treibenden Eisschollen.
Der Aktionstag des zivilgesellschaftlichen Zusammenschlusses fand zeitgleich an mehreren Orten in Mecklenburg-Vorpommern statt. In Neustrelitz wurde beispielsweise ein Pop-up-Wohnzimmer in der Innenstadt aufgebaut. Überall stand im Mittelpunkt, gemeinsam etwas zu bewegen – im besten Fall mit Menschen, die einem bis dahin völlig unbekannt waren.
Die vergänglichen Eiskunstwerke schmolzen zwar in der Sonne dahin, doch die Botschaft von Gemeinschaft und Zusammenhalt bleibt. Die Initiative zeigt, wie kreative Aktionen Menschen zusammenbringen und den gesellschaftlichen Dialog vor wichtigen politischen Ereignissen wie der Landtagswahl bereichern können.



