Ein Professor der Berliner Charité hat einen Faktencheck zu Arzt-Serien durchgeführt und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die heile Welt, die in Serien wie "In aller Freundschaft", "Der Bergdoktor" oder "Charité" gezeigt wird, hat mit der Realität in deutschen Krankenhäusern wenig zu tun.
Realität versus Fiktion
Dr. med. Christian J. Krause, Professor für Notfallmedizin an der Charité, hat mehrere populäre Arzt-Serien analysiert. Sein Fazit: Die meisten Serien vermitteln ein völlig falsches Bild vom Klinikalltag. So würden Ärzte in Serien oft mehrere Patienten gleichzeitig behandeln, was in der Realität aufgrund der hohen Arbeitsbelastung kaum möglich sei. Auch die Darstellung von Notaufnahmen sei oft unrealistisch: In Serien kommen Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden an, die dann innerhalb weniger Minuten versorgt werden. In der Realität warten Patienten teilweise stundenlang.
Typische Fehler in Arzt-Serien
Der Professor listet mehrere typische Fehler auf, die in Arzt-Serien immer wieder vorkommen:
- Defibrillator-Einsatz: In Serien wird der Defibrillator oft bei einem flachen EKG eingesetzt. In der Realität wird ein Defibrillator nur bei Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie eingesetzt, nicht bei Asystolie.
- Herz-Kreislauf-Stillstand: In Serien wird nach wenigen Minuten ohne erfolgreiche Reanimation oft aufgegeben. In der Realität wird mindestens 30 Minuten reanimiert, bevor der Tod festgestellt wird.
- Operationen: In Serien wird oft ohne sterile Klammern und mit bloßen Händen operiert. In der Realität ist absolute Sterilität oberstes Gebot.
- Arzt-Patienten-Verhältnis: In Serien haben Ärzte oft eine sehr enge, fast freundschaftliche Beziehung zu ihren Patienten. In der Realität ist das Verhältnis professionell-distanziert.
Warum Serien dennoch beliebt sind
Trotz aller Ungenauigkeiten haben Arzt-Serien eine hohe Beliebtheit. Der Professor erklärt, dass sie eine heile Welt zeigen, in der Patienten fast immer geheilt werden und Ärzte als Helden auftreten. Dieses Wunschdenken sei ein Grund für den Erfolg. Zudem würden die Serien oft menschliche Dramen und Beziehungen in den Vordergrund stellen, was das Publikum emotional anspreche.
Dennoch warnt der Professor davor, die Serien als Vorbild für den echten Klinikalltag zu nehmen. Er appelliert an die Zuschauer, sich bewusst zu machen, dass es sich um Fiktion handelt und die Realität oft weniger glamourös, aber nicht weniger wichtig ist.



