Schwere Vorwürfe gegen Kanzler Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) musste sich in der Talkshow von Markus Lanz (56) heftige Kritik gefallen lassen – und zwar von einer Zeitzeugin des Holocausts. Die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf (83) warf dem Regierungschef vor, mit seiner Haltung zu Waffenlieferungen an Israel die historische Verantwortung Deutschlands zu missachten. Auslöser war ein ZDF-Einspieler, der ein Merz-Zitat aus den „Tagesthemen“ vom 10. August 2025 zeigte. Darin hatte der Kanzler mit Blick auf den Gaza-Krieg erklärt: „Wir können nicht Waffen liefern in einen Konflikt, der Hunderttausende von zivilen Opfern fordern könnte.“
„Eigentlich unmöglich“
Lanz konfrontierte Umlauf mit dieser Aussage und fragte nach ihrer damaligen Reaktion. Die slowakisch-deutsche Kinderärztin und Psychotherapeutin, die das Konzentrationslager Auschwitz als Kleinkind überlebte, antwortete sichtlich bedrückt: Sie habe die Aussage „eigentlich unmöglich“ gefunden. Diese bedeute einen kompletten Kurswechsel der deutschen Regierung. „Wenn ich von der deutschen Regierung zuerst höre, dass keine Waffen mehr an Israel geliefert werden, fühle ich mich nicht wohl. Was wollen die damit sagen?“, fragte Umlauf alarmiert.
„Man verwechselt Täter und Opfer“
Der massive Vorwurf der Zeitzeugin: In Deutschland werde nicht ausreichend zwischen Israel und Juden unterschieden. Zwar identifizierten sich Juden in der Diaspora nicht automatisch mit der Politik Israels, dennoch würden „die Juden“ hierzulande plötzlich für tote Kinder in Palästina verantwortlich gemacht. Ihre Sorge: „Man verwechselt einfach Täter und Opfer.“ Umlauf zeigte sich zudem besorgt über den massiven Schutzbedarf jüdischer Schulen und Kindergärten in Deutschland. „Weil wir nicht tote Kinder haben wollen. Und die werden wir haben!“, warnte sie eindringlich.
Lanz‘ Differenzierungsversuch
Lanz hielt dagegen: In seiner Sendung erlebe er oft die Differenzierung, dass sich Kritik gegen die israelische Regierung richte – nicht gegen Jüdinnen und Juden. Doch Umlauf widersprach deutlich: „So differenziert ist das nicht, glauben Sie mir. Wir sind die Juden, und wir sind mit Schuld an allem!“
Unterstützung von anderen Gästen
Ruth-Anne Damm von der NGO „Zweitzeugen“ bestätigte diese Wahrnehmung. Auch sie nehme wahr, dass die notwendige Differenzierung oft nicht gemacht werde. Genau darin sehe ihre Organisation ihren Auftrag: jungen Menschen diese Unterschiede zu vermitteln. Kritik an der israelischen Regierung dürfe Judenhass in Deutschland niemals legitimieren.
Der Historiker Oliver von Wrochem (58), Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg, bekräftigte den Vorwurf. In der Debatte werde viel zu selten zwischen dem Handeln der israelischen Regierung und Israel als Staat unterschieden, der als Folge der nationalsozialistischen Massenvernichtung entstanden sei – „das ist in der deutschen Diskussion viel zu wenig differenziert.“



