Hantavirus-Angst: Psychologin erklärt die Pandemie-Furcht
Hantavirus-Angst: Pandemie-Furcht erklärt

Die Nachricht vom Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius im Atlantik sorgt weltweit für Unruhe. Obwohl Experten betonen, dass das Virus wenig mit dem Coronavirus gemein hat und eine globale Verbreitung unwahrscheinlich ist, steigt die Angst vor einer erneuten Pandemie. Die Sozialpsychologin Judith Balzukat erklärt im Interview, wie diese Furcht entsteht und was man dagegen tun kann.

Parallelen zur Corona-Pandemie

Balzukat sieht mehrere Gründe für die aktuelle Besorgnis. „Es gibt viele Parallelen zum Ausbruch des Coronavirus vor sechs Jahren“, sagt sie. „Der Ursprung der Pandemie lag damals ebenfalls weit entfernt von Deutschland, in China. Anfangs war von einer Lungenkrankheit die Rede, und die Weltgesundheitsorganisation empfahl Reisenden zunächst keine besonderen Vorkehrungen. Auch damals gab es Infektionen auf Kreuzfahrtschiffen, und die Behörden versuchten, die Infektionsketten nachzuverfolgen, um eine Ausbreitung zu stoppen.“

Heute sähen die Menschen erneut Bilder von Einsatzkräften in Vollschutzanzügen und mit Masken. „Diese Bilder können beunruhigend wirken oder überwunden geglaubte Ängste wieder wecken“, erklärt die Psychologin.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Das kollektive Pandemie-Gedächtnis

Auf die Frage nach einem kollektiven Pandemie-Gedächtnis antwortet Balzukat: „Ob es ein kollektives Gedächtnis gibt, ist in der Wissenschaft umstritten. Aber jeder Mensch, der älter als zehn oder elf Jahre ist, kann sich an die Pandemie erinnern. Jeder hat eine dramatische Geschichte zu erzählen. Wir haben erlebt, was das Virus mit uns selbst, mit Freunden und Verwandten, mit der Gesellschaft gemacht hat. Etwas, das man selbst erlebt hat, wird anders im Gedächtnis verpackt als etwas, von dem wir einfach nur gehört haben.“

Wie das Gedächtnis funktioniert

Das sogenannte episodische Gedächtnis speichert persönliche Erfahrungen in ihrem räumlichen und zeitlichen Kontext. Es ermöglicht eine mentale Zeitreise an Orte und Zeitpunkte, die uns in der Pandemie geprägt haben. „Wir können diese Erinnerungen abrufen und neu erleben“, erklärt Balzukat. „Fakten, wie das Drehmoment des eigenen Autos oder das englische Wort für Wetter, werden dagegen im semantischen Gedächtnis gespeichert. An Fakten kann sich der Mensch schlechter erinnern als an Durchlebtes.“

Diese Mechanismen führen dazu, dass die Angst vor einer neuen Pandemie besonders stark sein kann. Die Psychologin rät, sich bewusst zu machen, dass die Situation heute eine andere ist und dass die Erfahrungen aus der Vergangenheit helfen können, besser mit der Unsicherheit umzugehen. „Es ist wichtig, sich auf vertrauenswürdige Informationsquellen zu stützen und nicht in Panik zu verfallen“, sagt sie abschließend.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration