Mecklenburg-Vorpommern: Spitzenreiter bei Hausarztversorgung mit jüngstem Ärzteteam
Im nordöstlichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung bundesweit am besten gewährleistet. Aktuelle Daten des Bundesarztregisters zeigen, dass hier 76,8 Hausärztinnen und Hausärzte auf 100.000 Einwohner kommen. Damit liegt das Land deutlich vor Hamburg, das mit 73,4 Hausärzten pro 100.000 Einwohner den zweiten Platz belegt. Die Zahlen beziehen sich auf den Stichtag 31. Dezember 2025 und wurden der Deutschen Presse-Agentur exklusiv zur Verfügung gestellt.
Jüngste Ärzteschaft Deutschlands mit hohem Frauenanteil
Besonders bemerkenswert ist die Altersstruktur der Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern. Nur 9,3 Prozent der praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte sind älter als 65 Jahre – der niedrigste Wert in ganz Deutschland. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz liegt dieser Anteil bei 22,1 Prozent. Zudem zeigt sich ein deutlicher Trend zur Feminisierung des Berufsstandes: 59,1 Prozent der Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern sind Frauen.
Gesamtärztezahl im Mittelfeld – Hamburg führt deutlich
Betrachtet man die Gesamtzahl aller Ärzte und Psychotherapeuten, nimmt Mecklenburg-Vorpommern mit 223 Medizinerinnen und Medizinern pro 100.000 Einwohner eine Position im Mittelfeld ein. Hier führt Hamburg mit 315 Ärzten pro 100.000 Einwohner deutlich, während Schleswig-Holstein mit 218 Ärzten knapp hinter Mecklenburg-Vorpommern liegt.
Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt vor bundesweitem Hausarztmangel
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bestätigt zwar einen leichten Anstieg der vertragsärztlichen Versorgung um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, warnt jedoch vor strukturellen Problemen. „Gerade bei der hausärztlichen Versorgung weisen die Zahlen einen kontinuierlichen Rückgang nach“, erklärt Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Bereits jetzt seien deutschlandweit etwa 5.000 Hausarztsitze nicht besetzt.
Ein wesentlicher Grund für die angespannte Versorgungslage ist der Trend zu Teilzeitbeschäftigungen, insbesondere bei jüngeren Medizinern. Während die absolute Arztzahl pro Kopf in der ambulanten Versorgung weiter steigt, wird die für die Patientenversorgung verfügbare Zeit immer knapper. Die KBV verzeichnete im ärztlichen Bereich nur einen Zuwachs von 0,7 Prozent, während die Psychotherapie mit 3,7 Prozent deutlich stärker wuchs.
Dringender Reformbedarf im Gesundheitssystem
Stephan Hofmeister betont die Notwendigkeit struktureller Veränderungen: „Deshalb brauchen wir dringend Strukturreformen – unter anderem etwa weniger Bürokratie und eine bessere Patientensteuerung.“ Die demografische Entwicklung verschärft die Situation zusätzlich, da die Abgangsraten durch die in den Ruhestand gehenden Babyboomer-Generation weiter steigen werden.
Trotz der positiven Zahlen in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich somit ein bundesweit problematisches Bild der hausärztlichen Versorgung, das langfristige Lösungen erfordert.



