Steigende Arztzahlen, aber angespannte Versorgungslage in deutschen Praxen
Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist im Jahr 2025 weiter gestiegen, doch die Versorgung der Patienten bleibt unter Stress. Laut einer Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) waren Ende vergangenen Jahres 191.875 Medizinerinnen, Mediziner, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung tätig. Das bedeutet einen Zuwachs von 2.324 im Vergleich zu 2024. Trotz dieses Anstiegs müssen Versicherte oft auf Termine warten, und die Behandlungskapazitäten sind regional sehr unterschiedlich verteilt.
Teilzeittrend gefährdet die Versorgungskapazitäten
Ein wesentlicher Faktor für die angespannte Lage ist der anhaltende Trend zu Teilzeitarbeit und flexibleren Arbeitsmodellen. Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit stieg im Durchschnitt aller Fachgruppen auf 40 Prozent an. Aktuell arbeiten 98.447 Mediziner in Vollzeit, was einem Rückgang von zwölf Prozent im Vergleich zu vor zehn Jahren entspricht. Dagegen haben 45.795 Ärzte reduzierte Stundenzahlen, ein deutlicher Anstieg um 135 Prozent seit 2015. Unter Psychotherapeuten dominiert der Teilzeitanteil schon länger und wächst weiter.
KBV-Chef Andreas Gassen betont: „Die zur Verfügung stehende Arztzeit bleibt begrenzt.“ Viele junge Ärztinnen und Ärzte bevorzugen zudem eine Anstellung statt der Gründung einer eigenen Praxis. Gassen mahnt, dass diese Entwicklung ernst genommen werden muss, da die Praxen das Rückgrat der Gesundheitsversorgung bilden. Die Politik sei gefordert, attraktive Bedingungen zu schaffen, um den Beruf attraktiv zu halten.
Regionale Unterschiede beim Ärztenetz
Die Versorgungslage variiert stark zwischen den Regionen. Laut Daten des Bundesarztregisters vom 31. Dezember 2025 ist das Netz in Heidelberg am dichtesten, mit 434,7 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Am wenigsten niedergelassene Mediziner gibt es im Landkreis Coburg in Bayern, mit nur 87,6 je 100.000 Einwohner. Auf Länderebene führt Hamburg mit 315,1, während Brandenburg mit 199,3 das Schlusslicht bildet.
Zur Gesundheitsversorgung tragen neben den Praxen auch Krankenhäuser, Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler bei. Patienten aus ländlichen Gegenden nutzen oft Praxen in nahen Ballungsräumen, wobei die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine entscheidende Rolle spielt.
Leichter Rückgang des Altersdurchschnitts, aber keine Entwarnung
Das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte sank leicht von 54,5 auf 54,4 Jahre. Die KBV warnt jedoch, dass dies kein entwarnendes Zeichen sei. Zwar steigt die Zahl der Jüngeren unter 49 Jahren, aber auch die der Älteren über 60. In Kombination mit dem Teilzeittrend bedeutet dies, dass in den kommenden 20 Jahren etwa 25.000 in Vollzeit tätige Ärztinnen und Ärzte altersbedingt ausscheiden werden. Um diese Kapazität auf Teilzeitbasis zu ersetzen, könnten bis zu 50.000 Mediziner benötigt werden.
Hausärzte sollen wichtigere Rolle übernehmen
Die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte stieg leicht um 343 auf 55.778 im Vergleich zu 2024. Allerdings sank die Zahl der vollen Hausarztsitze um 0,1 Prozent, und rund 5.000 Sitze sind derzeit unbesetzt. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, Hausarztpraxen als erste Anlaufstellen zu stärken und Patienten zu Facharztterminen zu lotsen.
Vor allem im Westen Deutschlands zeichnen sich Ruhestandswellen ab. Im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz sind 43,5 Prozent der Hausärzte über 65 Jahre alt, im Saarland 21,7 Prozent und in Westfalen-Lippe in NRW 19,7 Prozent. Dagegen sind in Mecklenburg-Vorpommern nur 9,3 Prozent der Hausärzte über 65. Das Hausärztenetz ist dort im Ländervergleich am dichtesten, mit 76,8 Medizinern je 100.000 Einwohner, gefolgt von Hamburg mit 73,4 und Berlin mit 72,1.
Mehr Ärztinnen, besonders im Osten
Frauen sind in den Praxen weiter auf dem Vormarsch. Der Anteil von Psychotherapeutinnen und Ärztinnen liegt nun bei 53,2 Prozent, nachdem 2022 die 50-Prozent-Marke überschritten wurde. Betrachtet man nur die Ärztinnen, stieg ihr Anteil auf 47,4 Prozent. Je jünger die Ärzte, desto höher ist der Frauenanteil: Bis 49 Jahre liegt er bei 56 Prozent, ab 50 Jahren sind Männer in der Überzahl.
Regional ist der Anteil der Ärztinnen und Psychotherapeutinnen in den östlichen Bundesländern höher, überall über 55 Prozent. Berlin führt mit einem Frauenanteil von 60,2 Prozent.



