Schwere Vorwürfe gegen Mediziner der Medizinischen Hochschule Hannover
Ein Internist der renommierten Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) steht im Zentrum eines erschütternden Ermittlungsverfahrens. Der 49-jährige Universitätsmediziner soll schwer kranke Patienten vorsätzlich mit Medikamenten getötet haben und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Arzt wegen Mordes, versuchten Mordes sowie Totschlags.
Drei Todesfälle zwischen 2019 und 2025
Die mutmaßlichen Taten ereigneten sich laut Ermittlungsbehörden zwischen Mai 2019 und März 2025 und betreffen drei Patienten. Zwei Kolleginnen des beschuldigten Mediziners hatten nach eigenen Beobachtungen Anzeige erstattet, woraufhin die Kriminalpolizei akribisch Patientendokumentationen durcharbeitete.
Im ersten Fall aus dem Mai 2019 wurde der Arzt als Notfallmediziner zu einer 82-jährigen Demenzpatientin gerufen. Während der Behandlung soll er der Seniorin eine hohe Dosis Morphium verabreicht haben. „Die beabsichtigte Tötung gelang ihm nicht“, erklärt Staatsanwaltschaftssprecherin Kathrin Söfker. Die Frau starb Stunden später, doch da ein kausaler Zusammenhang mit der Medikamentengabe nicht nachweisbar ist, wird der Vorfall als Mordversuch eingestuft.
Intensivstation und künstliches Koma
Ein Jahr später, im Juni 2020, kümmerte sich der Internist auf der Intensivstation der MHH um einen 20-jährigen Leukämiepatienten, dessen Gesundheitszustand sich verschlechtert hatte. „Er soll sich dann entschlossen haben, die Therapie beim Patienten einzustellen und den Sterbeprozess einzuleiten“, so Söfker. Dafür habe er unter anderem das Narkosemittel Propofol verwendet. Die Staatsanwaltschaft wertet dieses Vorgehen nach aktueller Beweislage als Totschlag.
Der dritte Fall betrifft einen 71-jährigen Patienten, der im März 2025 mit Lungenversagen in die MHH eingeliefert und ins künstliche Koma versetzt worden war. Auch hier soll der Mediziner beschlossen haben, sämtliche Rettungsversuche aufzugeben und mit Medikamenten den Tod herbeizuführen. Besonders tragisch: „Der Patient soll vorher noch geäußert haben, dass alles versucht werde, dass er am Leben bleibt“, berichtet die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. In diesem Fall besteht Mordverdacht.
Ermittlungen laufen, Verteidigung widerspricht
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover laufen seit 2025 und sind nach Angaben der Behörde noch nicht abgeschlossen. Professor Steffen Stern, der Anwalt des beschuldigten Mediziners, erklärt hingegen: „Mein Mandant weist die Vorwürfe entschieden zurück“. Er werde sich mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Patientenversorgung und ärztlichen Ethik auf, insbesondere in kritischen Situationen auf Intensivstationen. Die Medizinische Hochschule Hannover als eine der führenden medizinischen Einrichtungen Deutschlands steht durch die Vorwürfe unter besonderer Beobachtung.



