Ein Narkosearzt steht in Hannover vor Gericht, weil er Nacktbilder von betäubten Mädchen gemacht haben soll. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat den 52-Jährigen in elf Fällen angeklagt, unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die Taten sollen sich am Regionsklinikum Neustadt am Rübenberge bei Hannover zwischen September 2010 und Juli 2024 ereignet haben.
Vorwürfe im Detail
Laut Anklage nutzte der Anästhesist die Narkose der jungen Patientinnen aus, um Bilder von deren Genitalien und Brust anzufertigen. In einigen Fällen soll er die Mädchen für die Aufnahmen auch im Genitalbereich berührt haben. Die Opfer sind fast alle minderjährig, das jüngste Mädchen war erst acht Jahre alt. Der Verteidiger des Angeklagten kündigte an, dass sein Mandant sich zu den Vorwürfen äußern werde – allerdings erst beim nächsten Verhandlungstermin am 27. Mai. Zudem habe der Arzt allen Opfern Schmerzensgeld angeboten.
Weitere Taten und Funde
Neben den Vorfällen in der Klinik wirft die Staatsanwaltschaft dem Mediziner ähnliche Taten im privaten Umfeld vor. So soll er eine damals Fünfjährige im Kinderzimmer seiner Tochter aufgefordert haben, sich auszuziehen und ihm zu zeigen. Bei einer Durchsuchung der Ermittlungsbehörden wurden über 1.600 kinder- und jugendpornografische Dateien auf seinem Computer gefunden. Der Mann war im Juli 2024 aufgefallen, als er im Urlaub in der kroatischen Hafenstadt Rovinj in einem Nudistencamp unbekleidete Kinder filmte.
Reaktionen und Prozessverlauf
Das Regionsklinikum Neustadt am Rübenberge trennte sich nach eigenen Angaben von dem Arzt. Das Krankenhaus erklärte, der Fall habe bei der Belegschaft und der Klinikleitung große Betroffenheit und tiefe Bestürzung ausgelöst. Für den Prozess sind fünf Fortsetzungstermine vorgesehen, ein Urteil könnte Mitte Juni gesprochen werden. Der Angeklagte bleibt bis dahin auf freiem Fuß, muss sich jedoch regelmäßig bei der Polizei melden.



