Transportprobleme nach Klinikaufenthalt: Senioren oft ohne Heimweg
Altentreptow • Lesedauer: 5 min
Wie geht es weiter? Diese Frage stellen sich viele geriatrische Patienten, wenn es um die Rückkehr nach Hause nach einem Krankenhausaufenthalt geht. Betagte Menschen sind nach einer Klinikbehandlung häufig nicht in der Lage, selbstständig den Heimweg anzutreten. Eine nun strengere Auslegung von Transportregeln stellt Pflegekräfte vor erhebliche Herausforderungen.
Veröffentlicht: 11.03.2026, 12:25
Von: Susanne Schulz
Aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man genesen und mobil ist. Die daraus resultierenden Probleme und Kosten spüren Patienten und Pflegepersonal auf geriatrischen Stationen seit einiger Zeit verstärkt. Insbesondere in ländlichen Regionen wie um Altentreptow wird die Situation als prekär empfunden.
Krankenwagen erfordert medizinische Notwendigkeit
Ein Beispiel ist die 75-jährige Frau W.* aus Wolde, die zwei Wochen auf der Station F01 für Akutgeriatrie und Frührehabilitation im Krankenhaus Altentreptow behandelt wurde. Nach einem Sturz in ihrer Wohnung war sie mit einem Krankenwagen eingeliefert worden. Für den Heimweg muss sich Frau W. jedoch selbst kümmern, was ihr nicht möglich ist, da ihre Familie nicht vor Ort ist. Letztlich fällt diese Aufgabe dem Pflegeteam des Krankenhauses zu, das mehrmals pro Woche organisiert, wie vor allem auswärtige Patienten nach Hause gelangen.
Ein Krankentransport darf von der zuständigen Leitstelle nur bewilligt werden, wenn eine medizinische Notwendigkeit nachgewiesen ist, erklärt Katrin Marx, stellvertretende Stationsleitung auf der F01. Diese deutschlandweit geltende Richtlinie basiert auf der Annahme, dass Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt wieder bei Kräften sind.
Betagte Patienten benötigen Unterstützung
Allerdings sind unsere Patienten fast durchweg über 70 Jahre alt und hochgradig erkrankt, verdeutlicht Schwester Katrin. Sie gehen nicht gesund nach Hause. Viele müssen im Tragestuhl, liegend oder mit Mobilitätsunterstützung transportiert werden, auch wenn nicht die geforderten medizinischen Notwendigkeiten wie Sauerstoffversorgung, fachliche Überwachung oder spezielle Lagerung bestehen.
Die zuvor offenbar recht kulant ausgelegte Bewilligungsregelung wird seit Jahresbeginn deutlich strenger gehandhabt, stellen die Mitarbeiter der Altentreptower Klinik fest. Auch am Standort Malchin gibt es dieses Problem. Offenbar sind nach dem Eindruck der Krankenkassen zu viele Entlassungen mit dem Krankentransport erfolgt, sagt Anne-Christin Raap, Bereichspflegedienstleitung am Standort Altentreptow des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums.
Telefonmarathon bei Taxi-Unternehmen und Fahrdiensten
Die Folgen der neuen Strenge bleiben somit an den Patienten oder, da diese das oft nicht selbst erledigen können, am Klinikpersonal hängen. Pflegekräfte telefonieren Taxi-Unternehmen und Fahrdienste ab, die in der Region jedoch dünn gesät sind. Problematisch ist vor allem alles, was nicht in Richtung Neubrandenburg fährt, berichtet Katrin Marx. Ein Dienstleister aus der Kreisstadt, der nach vollbrachter Tour wieder im eigenen Revier ist, findet sich noch am ehesten.
Doch bleiben wir beim Beispiel von Frau W.: Für die Fahrt aus Neubrandenburg nach Altentreptow, mit der Patientin heim nach Wolde und wieder zurück nach Neubrandenburg fallen rund 60 Kilometer an, von denen die Kasse jedoch nur die 13 Kilometer von der Klinik zum Wohnsitz zahlt. Auch aus entfernteren Orten wie Woldegk oder Waren kommen Patienten zur F01, die über 20 Betten verfügt und jährlich rund 800 Patienten betreut.
Viele gelistete Betriebe nicht mehr verfügbar
Die Abteilung ist spezialisiert auf die Behandlung alter Menschen mit komplexen körperlichen und oft auch psychisch-sozialen Problemen, sowohl in Akut-Situationen wie nach einem Sturz oder Schlaganfall als auch mit zweiwöchigen geriatrischen Komplexbehandlungen, die sie wieder fitter für einen selbstbestimmten Alltag machen sollen. Standen die Mitarbeiter anfangs mehrmals pro Woche vor der Herausforderung eines Telefonmarathons, um eine Heimfahrt zu organisieren, haben sie inzwischen einige Erfahrung hinzugewonnen, wo sie anrufen können.
Allerdings auch die Erfahrung, dass es von der Liste, die die Leitstelle zur Verfügung stellte, viele Unternehmen gar nicht mehr gibt oder andere keine Krankenfahrten mehr übernehmen. Sollte sich einmal gar keine Lösung finden, müsste die Entlassung tatsächlich aufgeschoben werden, was aber ebenfalls von den Krankenkassen nicht gutgeheißen wird. Irgendwann kommt der Tag, an dem wir einen Patienten im Rollstuhl quer durch die Stadt nach Hause schieben, merkt Schwester Katrin mit einigem Galgenhumor an.
Wunsch nach zentraler Koordinierung
Überhaupt fühlt sich das Team mit den Konsequenzen der Transportregelung allein gelassen. Die Pflege hat andere Aufgaben als stundenlange Telefonate, stellt denn auch Bereichspflegedienstleiterin Anne-Christin Raap klar. Die Zeit fehlt uns in der Patientenversorgung. Hilfreich wäre aus ihrer Sicht zum Beispiel eine zentrale Koordinierung aller verfügbaren Fahrdienste der Region.
In Ballungszentren würden dafür Software-Lösungen genutzt, weiß die Fachfrau. Zugleich weiß sie, dass in hiesigen Gefilden die Anzahl möglicher Kooperationspartner überschaubar ist. Sie in ein Boot zu holen, könne aber ein Anfang sein. Wenn wir über die drohende Unterversorgung ländlicher Räume sprechen, mahnt Anne-Christin Raap, gehören Krankentransporte unbedingt dazu.
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