Allergen-Paradies Müritz: Wie Pollenflug den Frühling für Betroffene zur Qual macht
Für Allergiker ist die Freude am beginnenden Frühling in der Müritz-Region erheblich getrübt. Der Pollenflug kann zu gravierenden Beschwerden führen, die weit über harmlosen Heuschnupfen hinausgehen. Der Warener Hausarzt und Allergologe Dr. Sven Christian Lange kennt die Herausforderungen genau und hat wichtige Ratschläge für Betroffene parat.
Hochsaison für die Hauptverursacher
Mit allergiebedingten Beschwerden der oberen Luftwege und der Augenbindehaut hat Dr. Langes Praxis das gesamte Jahr über zu tun. Während der Heizsaison sind Hausstaubmilben die Hauptverursacher, die sich in warmen Räumen besonders wohlfühlen. Die landläufige Vorstellung vom Heuschnupfen verbindet sich jedoch vor allem mit dem Frühjahr, „wenn die kleinen Überlebenskünstler zu fliegen beginnen“. Durch den Klimawandel setzt dieser Prozess oft bereits früher ein, wie der Mediziner feststellt.
Als Hauptverursacher für diese Jahreszeit nennt Dr. Lange:
- Haselnuss, Birke und Erle mit ihren charakteristischen Pollen-Würstchen
- Die Esche, die zu den Ölbaumgewächsen gehört
Selten seien Allergien hingegen bei Eiche und Buche, in deren feuchter Umgebung sich Pollen schneller binden. Auch je klebriger eine Pflanze blüht – beispielsweise Linde oder Raps – desto unwahrscheinlicher sei eine allergische Reaktion.
Die Allergie-Saison endet nicht mit dem Frühling
Der Allergen-Kalender in Dr. Langes Sprechzimmer zeigt deutlich, dass die Pollen- und Allergie-Saison keineswegs mit dem Frühjahr endet. Über einen langen Zeitraum machen sich Gräser bemerkbar:
- Von Ende März bis in den November das mitteleuropäische Lieschgras
- Zum Herbst hin dann Beifuß, Wegerich oder die aus Nordamerika eingeschleppte Ambrosia
Diese Vielfalt an Allergenen macht die Müritz-Region zu einem wahren Allergen-Paradies, wie Dr. Lange betont: „Wir sind umgeben von Natur, die alles zu bieten hat, was blüht und fliegt.“
Behandlungsmöglichkeiten und Vorbeugung
Wie Allergiker mit ihren Beschwerden zurechtkommen, hängt ganz von deren Ausmaß ab. „Wenn mal drei Wochen die Nase läuft und die Augen jucken, lässt sich das ganz gut mit freiverkäuflichen Präparaten wie Nasensprays und Augentropfen in den Griff kriegen“, erklärt der Mediziner. In Apotheken würden Betroffene dazu kompetent beraten.
Nur die Spitze des Eisbergs sei in ärztlicher Behandlung – bei HNO- und Lungenfachärzten, Hautärzten oder Praxen wie jener des Medizinischen Versorgungsverbunds Müritz. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung sei eine genaue Anamnese und Recherche, wann und unter welchen Bedingungen welche Beschwerden auftreten.
Gewissheit bringen dann spezielle Tests:
- Der Prick-Test, bei dem die Haut auf das Allergen reagiert
- Der Radio-Allergo-Sorbent-Test RAST, der Antigene nachweist und die Schwere der Allergie quantifizierbar macht
Bei den meisten Patienten, deren Beschwerden eine ärztliche Behandlung erfordern, sei eine Hyposensibilisierung angezeigt. Damit soll verhindert werden, dass die Allergie in chronisches Asthma mündet. Durch Injektionen oder unter der Zunge verabreichte Allergenextrakte lernt der Körper, den „Gegner“ zu kennen und zu tolerieren.
Wie Allergien entstehen und wie man sich schützen kann
Allergien treten zutage, indem das Immunsystem einen Reizstoff als Feind identifiziert und abwehrt, erklärt Dr. Lange. Eine solche Überempfindlichkeit könne irgendwann im Laufe des Lebens erworben werden. Interessanterweise sei bei manchen Menschen ein solcher Prozess auch chemisch nachweisbar, ohne dass er zu Symptomen führe. Nur wenn er klinisch wirksam werde, also sich in Beschwerden äußere, sei von einer Allergie zu sprechen.
Die Wetterbedingungen spielen eine entscheidende Rolle für die Pollenbelastung. An regnerischen Tagen sei die Belastung deutlich geringer, umso höher bei trockenem Wetter und einer leichten Brise.
Schützen könnten sich Betroffene in erster Linie, indem sie einschlägige Umgebungen meiden. „Das ist nicht immer leicht zu realisieren“, räumt der Warener Allergologe ein, „aber spazieren gehen sollten Allergiker um diese Jahreszeit zum Beispiel lieber in den Warener Buchen als auf dem Plauer Werder.“ Diese gezielte Vermeidung von Pollen-Hotspots kann für viele Betroffene bereits eine erhebliche Erleichterung bringen.



