Stoffwechsel-Ärztin klärt auf: Darum macht Stress uns wirklich dick
Viele Menschen kämpfen trotz strenger Diäten und eiserner Disziplin mit ihrem Gewicht. Die Gründe dafür sind oft komplexer als gedacht. Die renommierte Ernährungsmedizinerin Daniela Kielkowski hat jetzt in ihrem aktuellen Buch „Stress, der stille Dickmacher“ aufgedeckt, dass nicht primär die Kalorienaufnahme, sondern unser Gehirn das Körpergewicht maßgeblich beeinflusst.
Das uralte Schutzprogramm bei Dauerstress
Chronischer Stress aktiviert ein evolutionär tief verankertes Schutzprogramm im menschlichen Organismus. Dieses Programm sorgt dafür, dass der Körper Energie speichert und Fettdepots aufbaut – besonders in der Bauchregion. Dieser Mechanismus ist ein Überbleibsel aus Urzeiten, als Stresssituationen wie Nahrungsknappheit oder Gefahren überwunden werden mussten.
„Unser Stoffwechsel reagiert auf anhaltenden Stress mit einer Art Notfallmodus“, erklärt Kielkowski. „Der Körper interpretiert die Stresssignale als Bedrohung und beginnt, Reserven für vermeintlich schlechte Zeiten anzulegen.“ Dieser Prozess läuft oft unbewusst ab und kann selbst bei kalorienreduzierter Ernährung zu Gewichtszunahme führen.
Wie das Gehirn unser Gewicht steuert
Die Expertin betont, dass die Gewichtsregulation weit über simple Kalorienzählerei hinausgeht. Hormonelle Veränderungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Stresshormone wie Cortisol beeinflussen direkt den Stoffwechsel und fördern die Einlagerung von Fett.
Besonders tückisch: Dieser Effekt tritt nicht nur bei offensichtlichem Stress auf, sondern auch bei chronischen Belastungen im Alltag, die oft nicht als solche wahrgenommen werden. Dazu gehören:
- Beruflicher Druck und Überstunden
- Schlafmangel und unregelmäßige Ruhephasen
- Emotionale Belastungen in Beziehungen
- Perfektionismus und hohe Erwartungen an sich selbst
Aus der Stressfalle entkommen
Die gute Nachricht: Es gibt Wege, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Kielkowski empfiehlt einen ganzheitlichen Ansatz, der dem Stoffwechsel die nötige Sicherheit zurückgibt. Entspannungstechniken und bewusste Pausen sind dabei ebenso wichtig wie eine ausgewogene Ernährung.
Konkrete Schritte zur Überwindung der Stressfalle:
- Regelmäßige Entspannungsübungen wie Meditation oder Yoga in den Alltag integrieren
- Auf ausreichend und qualitativ hochwertigen Schlaf achten
- Bewusste Ernährung mit nährstoffreichen Lebensmitteln bevorzugen
- Realistische Ziele setzen und Perfektionismus abbauen
- Soziale Kontakte pflegen und Unterstützung suchen
„Nachhaltiges Abnehmen beginnt im Kopf“, resümiert die Medizinerin. „Indem wir unserem Körper signalisieren, dass keine Notlage herrscht, kann der Stoffwechsel wieder in einen gesunden Rhythmus finden.“ Dieser Ansatz verspricht langfristig mehr Erfolg als kurzfristige Diäten, die oft den Stresslevel sogar erhöhen.



